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Manuelskotten

Der Bürgerverein widmet sich satzungsgemäß gemeinnützigen öffentlichen Anliegen und fördert deshalb entsprechende Vereine, die solche Aufgaben wahrnehmen. Der Förderverein zur Erhaltung des Manuelskottens, im Kaltenbachtal in Cronenberg, wird mit unserer Mitgliedschaft solidarisch unterstützt.

Der Manuelskotten, benannt nach einem früheren Eigentümer und Schleifermeister Emanuel Morsbach aus dem 19. Jahrhundert, ist einer der 15 Betriebe im Kaltenbachtal, die in der besten Konjunkturzeit der Cronenberger Werkzeugherstellung die Wasserkraft nutzten. In dem Kotten wurden die scharfen Schneiden der Werkzeuge im Lohnauftrag geschliffen. Der Antrieb aller Schleifsteine geschah durch ein 5,60 m hohes oberschlächtiges Wassermühlrad.

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Foto: Frank Vincentz
Lizenz: Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported License.


Das Gefälle des Kaltenbaches ergibt im Bereich des Kottens einen Höhenunterschied über 7,0 m, so dass aus dem Stauteich genügend Wasser von oben auf das Wasserrad fallen kann und es bewegt. Außer der Investition entstehen zum Antrieb keine Energiekosten.

Welche gemeinnützigen Anliegen werden mit der Förderung unterstützt?

In den von der Landesregierung gerade ausgerufenen Tagen der Rheinisch-Bergischen Landschaft liegt nahe, zuerst die landschaftlichen Aspekte zu beleuchten.

Es gehen von dem auf der Höhe von etwa 320 m über Meeresspiegel liegenden Cronenberg nach Westen, Süden und Osten mehrere steil eingeschnittene Täler aus, sowohl zur Wupper als auch zum Morsbach an den Stadtgrenzen von Wuppertal.

Durch zahlreiche Quellhorizonte auf dem Berg ergibt sich ein reicher Wasserabfluss über alle Täler. Der Kaltenbach hat die in Richtung Solingen führende steilste Talführung. Er erlaubte früher vor der Erfindung von Motoren und Industrialisierung mehreren Nutzern nacheinander das Anstauen und Ausnutzen der Wasserkraft. Das sonst durchgehend bewaldete Tal hat nach seinen geschickt geführten Wanderwegen einen überaus hohen Erholungswert. Die Nutzer haben die Aufgabe, das Tal und seinen Erholungswert zu pflegen.

Sie sorgen u.a. für die Entschlammung und einen sauberen Durchfluss sowie Passierbarkeit der Zuwegungen.

Zum Zeitpunkt der Gründung der Fördervereine stand zu befürchten, dass durch einen nicht sehr kompetenten Generalbewässerungsplan für Cronenberg mittels Rückhaltebecken die Quellhorizonte des Kaltenbachtals zum Herichhauser Bachtal gelenkt würden. Die fatale Folge wäre die Verödung eines hervorragenden Landschaftsbereiches und das Erliegen der Wasserkraftnutzung gewesen. Seitdem engagiert sich der Verfasser auch im Förderverein. Das Wasser ist uns erhalten:

Überlieferung eines entwicklungsgeschichtlichen Zeugnisses für die Besiedlung Cronenbergs.

Seit man Geschichte aufgeschrieben hat, weiß man, dass durch Vorkommen von Eisenerz auf den Südhöhen Eisengerät und Werkzeug geschmiedet werden konnte. Die vom Geschichtsverein eingerichteten Routen zur Industrie- und Sozialgeschichte unterrichten in Führungen über alle Einzelheiten und örtlichen Funde zur Überlieferung der Besiedelung und des Gewerbes.

So lässt sich im Manuelskotten aufzeigen, mit welcher Tätigkeit, welchen Produkten, welchem Aufwand auch an Personal, welchem Verdienst und welcher Nachhaltigkeit das Leben bewältigt werden konnte. Das lässt sich bis heute zwar nicht optimal, aber wenigstens überhaupt noch aufrecht erhalten. Ganze Schulklassen kommen und staunen, wie geschickt, wie gekonnt aber auch wie muskelstark echte Handwerksarbeit sich vollzieht.

Klimawandel und alternative Energienutzung.


Als unsere Ahnen das Mühlrad erfanden, hatten sie nicht die Sorge um einen Klimawandel.

Das Klima aber war schon wichtig. Wasserkraftnutzung in Bachläufen hängt nicht nur von dem Gefälle ab. Es muss überhaupt stetig Wasser fließen. In einem Ort, in dem Viele darauf angewiesen waren, gab es schon in ganz alten Zeiten Beobachtungen über den Wasserhaushalt. So haben mehrere Lehrer am Ort in der Zeit von 1612 bis 1870 die entscheidenden Wetterdaten überliefert, aus denen die Katastrophen herausragen, bei denen eklatant das Wasser gefehlt hat. Gott sei Dank hat man in einer Generation vielleicht höchstens zweimal die Not zu spüren bekommen. Nicht nur unmittelbarer Niederschlag speist die Bäche, sondern abhängig von der Geologie, d.h. von den Gesteinsformationen unten im Untergrund hängt ab, mit welchen Grundwasserspiegeln auch aus entfernten Gebirgen die Quellhorizonte korrespondieren. Dadurch sprudeln Bäche - gerade auch im Kaltenbachtal - viel länger als wegen Regenmangel zu erwarten ist. Das Betreiben eines Mühlrades war deshalb zu allen Zeiten rentabel.

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Als Motoren im 19. Jahrhundert erfunden wurden, hat man dennoch beginnend mit der Dampfmaschine, dann mit einem Dieselmotor und schließlich seit 1953 den Drehstrommotor als Sicherheitsvorsorge neben der Wasserkraft eingeführt. Der als sogenannter Knieschleifer und Pächter des Manuelskottens praktizierende Präzisionshandwerker ist dankbar, dass der mäßige Gewinn seiner Arbeitsleistung nicht durch hohe Energiekosten noch geschmälert wird.

Auf den Stromspareffekt im Sinne der Sorge um Klimawechsel muss nun nicht mehr hingewiesen werden.

Der Denkmalwert einer historischen Werksanlage wie der Schleifkotten ist eklatant, seit die Großindustrie sich weitgehend verabschiedet hat und auch der Vorgang des Schleifens automatisiert worden ist. Übersehen wurde, dass viele Produkte nicht in Massen, sondern in kleinen Serien benötigt werden, wo Automaten nicht einsetzbar sind. Dass der Pächter seine Produktnische gefunden und damit notwendig bleibt, ermutigt dazu, ein Baudenkmal funktionstüchtig zu erhalten und dieTechnik späteren Generationen zu überliefern.

Der Manuelskotten und sein Stauteich liegen so idyllisch im Waldgebiet des Kaltenbachtales, dass auf ein gewohntes Landschaftsbild nicht verzichtet werden soll. Das Tal ist auch dadurch attraktiv, dass ein Teil des ursprünglich unverzichtbaren öffentlichen Nahverkehrs nach Solingen durch die Museumsstraßenbahn von Berghausen nach Kohlfurth aufgefangen ist.

Ein gemeinnütziger Verein tut hier segensreiche Dienste!

Der bedeutende denkmalpflegerische Effekt wird mit der Fahrtunterbrechung beim Manuelskotten gestützt. Der Fahrplan der Bahn und die Öffnungszeiten zur Besichtigung des Kottens (meistens Sonntag) sind aufeinander abgestimmt.

Zum Schluss gilt ein Appell der Aufforderung, dass die Zahl der Wanderer, der Mountainbiker, der Straßenbahnbenutzer und der Sonderbusreisenden, die nicht nur ein landschaftliches Erlebnis, sondern auch den Rückblick in alte Lebens- und Arbeitsbereiche ihrer Heimat suchen wollen, sich steigern möge, wie schon die Zahl der besuchenden und sich stark interessierenden Schulklassen aufzeigt. Am Deutschen Mühlentag im Juni waren es mehrere hundert Besucher.

Peter Trabitzsch.
Mehr Informationen:

Webseite des Manuelskottens:
http://www.manuelskotten.de

Bericht in der Zeitschrift des Bürgervereins 2/2004: