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Der Bürgerverein widmet sich satzungsgemäß gemeinnützigen öffentlichen
Anliegen und fördert deshalb entsprechende Vereine, die solche Aufgaben
wahrnehmen. Der Förderverein zur Erhaltung des Manuelskottens, im
Kaltenbachtal in Cronenberg, wird mit unserer Mitgliedschaft
solidarisch unterstützt.
Der Manuelskotten, benannt nach einem früheren Eigentümer und
Schleifermeister Emanuel Morsbach aus dem 19. Jahrhundert, ist einer
der 15 Betriebe im Kaltenbachtal, die in der besten Konjunkturzeit der
Cronenberger Werkzeugherstellung die Wasserkraft nutzten. In dem Kotten
wurden die scharfen Schneiden der Werkzeuge im Lohnauftrag geschliffen.
Der Antrieb aller Schleifsteine geschah durch ein 5,60 m hohes
oberschlächtiges Wassermühlrad.
Das Gefälle des Kaltenbaches ergibt im Bereich des Kottens einen
Höhenunterschied über 7,0 m, so dass aus dem Stauteich genügend Wasser
von oben auf das Wasserrad fallen kann und es bewegt. Außer der
Investition entstehen zum Antrieb keine Energiekosten.
Welche gemeinnützigen Anliegen werden mit der Förderung unterstützt?
In den von der Landesregierung gerade ausgerufenen Tagen der
Rheinisch-Bergischen Landschaft liegt nahe, zuerst die
landschaftlichen Aspekte zu beleuchten.
Es gehen von dem auf der Höhe von etwa 320 m über Meeresspiegel liegenden Cronenberg nach Westen, Süden und Osten mehrere steil
eingeschnittene Täler aus, sowohl zur Wupper als auch zum Morsbach an
den Stadtgrenzen von Wuppertal.
Durch zahlreiche Quellhorizonte auf dem Berg ergibt sich ein reicher
Wasserabfluss über alle Täler. Der Kaltenbach hat die in Richtung
Solingen führende steilste Talführung. Er erlaubte früher vor der
Erfindung von Motoren und Industrialisierung mehreren Nutzern
nacheinander das Anstauen und Ausnutzen der Wasserkraft. Das sonst
durchgehend bewaldete Tal hat nach seinen geschickt geführten
Wanderwegen einen überaus hohen Erholungswert. Die Nutzer haben die
Aufgabe, das Tal und seinen Erholungswert zu pflegen.
Sie sorgen u.a. für die Entschlammung und einen sauberen Durchfluss
sowie Passierbarkeit der Zuwegungen.
Zum Zeitpunkt der Gründung der Fördervereine stand zu befürchten, dass
durch einen nicht sehr kompetenten Generalbewässerungsplan für
Cronenberg mittels Rückhaltebecken die Quellhorizonte des
Kaltenbachtals zum Herichhauser Bachtal gelenkt würden. Die fatale
Folge wäre die Verödung eines hervorragenden Landschaftsbereiches und
das Erliegen der Wasserkraftnutzung gewesen. Seitdem engagiert sich der
Verfasser auch im Förderverein. Das Wasser ist uns erhalten:
Überlieferung eines entwicklungsgeschichtlichen Zeugnisses für die
Besiedlung Cronenbergs.
Seit man Geschichte aufgeschrieben hat, weiß man, dass durch
Vorkommen von Eisenerz auf den Südhöhen Eisengerät und Werkzeug
geschmiedet
werden konnte. Die vom Geschichtsverein eingerichteten Routen zur
Industrie- und Sozialgeschichte unterrichten in Führungen über alle
Einzelheiten und örtlichen Funde zur Überlieferung der Besiedelung und
des Gewerbes.
So lässt sich im Manuelskotten aufzeigen, mit welcher Tätigkeit,
welchen Produkten, welchem Aufwand auch an Personal, welchem Verdienst
und welcher Nachhaltigkeit das Leben bewältigt werden konnte. Das lässt
sich bis heute zwar nicht optimal, aber wenigstens überhaupt noch
aufrecht erhalten. Ganze Schulklassen kommen und staunen, wie
geschickt, wie gekonnt aber auch wie muskelstark echte Handwerksarbeit
sich vollzieht.
Klimawandel und alternative Energienutzung.
Als unsere Ahnen das Mühlrad erfanden, hatten sie nicht die Sorge um
einen Klimawandel.
Das Klima aber war schon wichtig. Wasserkraftnutzung in Bachläufen
hängt nicht nur von dem Gefälle ab. Es muss überhaupt stetig Wasser
fließen. In einem Ort, in dem Viele darauf angewiesen waren, gab es
schon in ganz alten Zeiten Beobachtungen über den Wasserhaushalt. So
haben mehrere Lehrer am Ort in der Zeit von 1612 bis 1870 die
entscheidenden Wetterdaten überliefert, aus denen die Katastrophen
herausragen, bei denen eklatant das Wasser gefehlt hat. Gott sei Dank
hat man in einer Generation vielleicht höchstens zweimal die Not zu
spüren bekommen. Nicht nur unmittelbarer Niederschlag speist die Bäche, sondern abhängig von der
Geologie, d.h. von den Gesteinsformationen unten im Untergrund hängt
ab, mit welchen Grundwasserspiegeln auch aus entfernten Gebirgen die
Quellhorizonte korrespondieren. Dadurch sprudeln Bäche - gerade auch im
Kaltenbachtal - viel länger als wegen Regenmangel zu erwarten ist. Das
Betreiben eines Mühlrades war deshalb zu allen Zeiten rentabel.
Als Motoren im 19. Jahrhundert erfunden wurden, hat man dennoch
beginnend mit der Dampfmaschine, dann mit einem Dieselmotor und
schließlich seit 1953 den Drehstrommotor als Sicherheitsvorsorge neben
der Wasserkraft eingeführt. Der als sogenannter Knieschleifer und
Pächter des Manuelskottens praktizierende Präzisionshandwerker ist
dankbar, dass der mäßige Gewinn seiner Arbeitsleistung nicht durch hohe
Energiekosten noch geschmälert wird.
Auf den Stromspareffekt im Sinne der Sorge um Klimawechsel muss nun nicht mehr hingewiesen werden.
Der Denkmalwert einer historischen Werksanlage wie der Schleifkotten
ist eklatant, seit die Großindustrie sich weitgehend verabschiedet hat
und auch der Vorgang des Schleifens automatisiert worden ist. Übersehen
wurde, dass viele Produkte nicht in Massen, sondern in kleinen Serien
benötigt werden, wo Automaten nicht einsetzbar sind. Dass der Pächter
seine Produktnische gefunden und damit notwendig bleibt, ermutigt dazu,
ein Baudenkmal funktionstüchtig zu erhalten und dieTechnik späteren
Generationen zu überliefern.
Der Manuelskotten und sein Stauteich liegen so idyllisch im Waldgebiet
des Kaltenbachtales, dass auf ein gewohntes Landschaftsbild nicht
verzichtet werden soll. Das Tal ist auch dadurch attraktiv, dass ein
Teil des ursprünglich unverzichtbaren öffentlichen Nahverkehrs nach
Solingen durch die Museumsstraßenbahn von Berghausen nach Kohlfurth
aufgefangen ist.
Ein gemeinnütziger Verein tut hier segensreiche Dienste!
Der bedeutende denkmalpflegerische Effekt wird mit der
Fahrtunterbrechung beim Manuelskotten gestützt. Der Fahrplan der Bahn
und die Öffnungszeiten zur Besichtigung des Kottens (meistens Sonntag)
sind aufeinander abgestimmt.
Zum Schluss gilt ein Appell der Aufforderung, dass die Zahl der
Wanderer, der Mountainbiker, der Straßenbahnbenutzer und der
Sonderbusreisenden, die nicht nur ein landschaftliches Erlebnis,
sondern auch den Rückblick in alte Lebens- und Arbeitsbereiche ihrer
Heimat suchen wollen, sich steigern möge, wie schon die Zahl der
besuchenden und sich stark interessierenden Schulklassen aufzeigt. Am
Deutschen Mühlentag im Juni waren es mehrere hundert Besucher.
Peter Trabitzsch.
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