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In diesem Jahr jährt sich die Eröffnung der Nutzung
des doppelten Schulgebäudes in der heutigen
Pfalzgrafenstraße 32 zum 100. Mal. Die beiden
Gebäudeflügel wurden als Volksschule für
Jungen und als Knabenmittelschule sowohl zum Schuljahresbeginn im
März 1910 als auch feierlich aus Anlass des
300-jährigen Jubiläums der Stadtrechteverleihung an
Elberfeld im Jahre 1610 im September des desselben Jahres in Betrieb
genommen.
Eine zum Teil sehr emotionale Debatte zwischen den Stadtverordneten
Elberfelds über das Für und Wider von (Knaben-)
Mittelschulen überhaupt begleitete 1908 den Beschluss zur
Gründung der Schule. Hintergrund war die allgemeine
schulpolitische Diskussion über Reformen der Schulbildung im
sekundären Bereich im Königreich Preußen,
zu dem Elberfeld gehörte. Im Kern ging es um einen neuen
Schultyp, der an die Volksschule „gehängt" werden
sollte, um die Schüler für neue Berufe vorzubereiten,
die sich in der Wirtschaft entwickelt hatten. Vor allem in technisch
-praktischen Bereichen waren neue Tätigkeitsfelder entstanden,
wie z.B. neue Messverfahren bzw. Messkontrollen. Hierfür
begabte Volksschüler sollten nach dem sechsten Schuljahr
diesen neuen Schultyp drei oder vier Jahre lang besuchen, um nach einer
Abschlussprüfung in den neuen Berufen ausgebildet zu werden.
Dieser Schultyp sollte nicht den Schwerpunkt auf
die Theorie legen. Dafür gab es die Realschule bzw. die
Oberrealschule.

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Für die Durchführung des Bauvorhabens auf dem
städtischen Grundstück an
der damaligen Brandenburgstr, der heutigen Pfalzgrafenstr, zeichnete
der Architekt Lothar Bruno Karl Schoenfelder verantwortlich. Er war
zugleich Stadtbaurat und Beigeordneter der Stadt Elberfeld.
Herr Schoenfelder entwickelte bei
der Planung des Baues unorthodoxe
Ideen, die weitgehend auch realisiert wurden. So verwendete
Schoenfelder im Gegensatz zum üblichen Fassadenklinker, wie er
an allen
öffentlichen Gebäuden, zum Beispiel Krankenanstalten,
Gefängnissen und
Schulen (siehe die Fassade des Grundschulgebäudes in der
Reichsgrafenstr) üblich war, für die Fassaden
verputzte Backsteine und für die Sockel und
Grundstücksmauern Grauwacke. Zugleich erhielten die beiden
Gebäudeflügel die Form einer Festung. Dieser Eindruck
wird auch heute noch durch die schlossähnlichen Ein-und
Auffahrten verstärkt. Das Foto in der unteren Eingangshalle
aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg zeigt diesen
Gebäudecharakter deutlich.
Hervorzuheben sind auch die
Jugendstilelemente v.a. im Inneren des
unteren Gebäudeflügels der ehem.
Knabenmittellschule. Sowohl der untere Eingang als auch die
Treppenhausgeländer, aber auch teilweise noch die
Kassettendecken im unteren Bereich und die Deckenbögen im
Treppenhaus mit den runden Fensterbögen enthalten
Jugendstildekor. Der Angriff der Royal Air Force auf Elberfeld 1943
vernichtete weite Teile dieses Gebäudekomplexes. So ist sein
schlossähnlicher Vorbau nach dem Krieg
nicht mehr in seiner vollen Größe und Verspieltheit
wiederhergestellt
worden. Heute befinden sich hier die Verwaltungsräume des
Bergischen
Kollegs. Die in den letzten Jahren durchgeführten so genannten
Brandschutzmaßnahmen haben im Inneren die Rundbögen
beseitigt.
Wilhelminisch
architektonische
Theorie
In
seinem Beitrag für die Zeitschrift „Das Schulhaus"
mit dem Titel „Eine
neue Knabenmittelschule mit Volksschulflügel in Elberfeld"
legt Lothar
Schoenfelder seine Überlegungen detailliert aus. Es sollte
eine
15-klassige Mittelschule für je maximal 43 Schüler
und eine 8-klassige
Volksschule für je maximal 55 Schüler mit einem
Zeichensaal, einem
Gesangsraum und einem Raum für naturwissenschaftlichen
Unterricht,
sowie Konferenzbeziehungsweise Lehrerzimmer errichtet werden.
Auffallend ist der Unterschied in der Klassenstärke zwischen
der
Mittelschule und der Volksschule, der vielleicht Ausdruck der
Klassengesellschaft in der wilhelminischen Zeit war. Zwischen beiden
Gebäudeflügeln wurde eine Turnhalle für
beide Schulen geplant und auch verwirklicht.
Auch
die Aufteilung der Räume und die weitere Innenstrukturierung
der beiden
Gebäudeflügel sollte laut Schoenfelder den
Schülern ein optimales
Lernumfeld bieten, das gekennzeichnet war von viel Licht und gesunder
Luft.
Neue medizinische Erkenntnisse und lernpsychologische
Überlegungen veranlassten den Architekten Schoenfelder, die
beiden Flügel so zu platzieren, dass diese quer zum
dahinterliegenden Hang mit den Fenstern der Klassenräumen nach
Westen ausgerichtet sind. Diesem Ziel ist auch das
außerordentliche Volumen der einzelnen Klassenräume
verpflichtet. Die Lichthöhe der Klassen beträgt 4m.
Die Lichtfläche ist bis zu 1/4 der Grundfläche der
Klassen gesteigert. Was das äußere Erscheinungsbild
der Schulgebäude angeht, betont Schoenfelder ihre
architektonische Ästhetik, die sich durch
„größte Schlichtheit" ausdrücke.
Zuletzt seien noch die Baukosten für die beiden
Gebäudeflügel, das separate Wohnhaus für den
Rektor der Knabenmittelschule und die Turnhalle genannt: 900.000 Mark
statt der veranschlagten 600.000 Mark. Also schon damals konnten die
Kosten für öffentliche Bauvorhaben nicht eingehalten
werden.
Aber es hat sich gelohnt. Die 42
Lehrer bzw. Lehrerinnen und etwa 500
Studierende des Bergischen Kollegs mit abendgymnasialem Zweig
können froh sein, nicht in einem grauen Betonklotz der 1970er
Jahre arbeiten bzw. lernen zu müssen, sondern in einem
atypischen Gebäude aus der wilhelminischen Zeit.
So kann man hoffen, dass sowohl das Schulgebäude als auch der
Schultyp noch vielen Generationen die Möglichkeit gibt, ihr
Abitur im Herzen der Elberfelder Südstadt abzulegen. Ob dieses
noch im Jahre 2011 der Fall sein wird, bleibt abzuwarten
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