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Sommerreise nach Mühlhausen
zum Herzen Deutschlands

Unsere Einladung zur Sommerreise nach Mühlhausen - die thüringische Stadt liegt nur wenige Kilometer entfernt vom geographischen Mittelpunkt Deutschlands - wurde zunächst nur sehr zögernd beachtet, sodass wir schon Sorgen hatten, die notwendige Mindestteilnehmerzahl überhaupt zu erreichen. Lag es nun daran, dass das Reiseziel weniger bekannt war oder dass einige unserer „Stammkunden" von uns gegangen sind oder manche sich die Strapazen solcher Reisen nicht mehr zutrauen? Gegen Ende der Anmeldefrist kamen, offenbar auch als Folge der Mund-zu-Mund-Propaganda, doch noch Anmeldungen von zahlreichen Gästen. So konnten wir zu Reisebeginn 38 Teilnehmer begrüßen.

Die Anreise über die Autobahn bis zum Zwischenstopp am Rasthof Kassel verlief störungslos, wir sahen aber schon Regenfronten auf uns zukommen. Nach der Stärkung im Forsthaus Thiemsburg erwartete uns dann strömender Regen. Gut die Hälfte unserer Reisegruppe entschied sich trotzdem für einen Rundgang auf dem Baumkronenpfad, einer besonderen Attraktion im Nationalpark Hainich, dem größten zusammenhängenden Laubwaldgebiet Deutschlands. Die äußerst interessante Führung hat sich gelohnt, und die Nässe hat der guten Laune keinen Abbruch getan. Sicher wird mancher von uns einen erneuten Besuch bei besseren Bedingungen planen. Weiter ging's nach Mühlhausen zum Mirage-Hotel. Nach dem Einchecken stand uns der Abend zur freien Verfügung.

Die Reisegruppe
Reisegruppe vor der Burgruine Hanstein (bei Bornhagen).

Die mittelalterliche Stadt der Türme lernten wir am nächsten Tag in zwei Gruppen mit zwei charmanten Führerinnen kennen. Schwerpunkte waren die Marienkirche (eine große fünfschiffige gotische Hallenkirche), die Kornmarktkirche (mit dem Bauernkriegmuseum), die Blasiikirche (romanisch-gotischer Stil, 1707/08 war Johann Sebastian Bach hier Organist), das Rathaus (ein Stein- und Fachwerkbau aus verschiedenen Epochen des 14.-16. Jahrhunderts) und die vielen alten Straßen und Gassen mit ihren Fachwerkhäusern. Zu einem Rundgang über die Stadtmauer mit vielen erhaltenen Türmen reichte leider die Zeit nicht.

Für die Fahrt ins Eichsfeld wartete Wolfgang Große, ein Vetter zweiten Grades unseres Reiseleiters Schneehorst, auf uns. Die Fahrt ging durch bezaubernde Landschaften, über Berg und Tal sowie durch wunderschöne kleine Dörfer, wobei der Massentourismus dieses geschichtsträchtige Land offenbar noch nicht erreicht hat. Ziel war die Burgruine Hanstein, hoch über dem Werratal an der einstigen innerdeutschen Grenze gelegen. Unser Führer war vor und nach der Wende Bürgermeister der kleinen Gemeinde Bornhagen am Fuße der Burg. Neben der bis ins frühe Mittelalter zurückreichenden Historie der Burg konnte er spannend über die jüngere Geschichte erzählen und die Nutzung für Veranstaltungen, open-air-Konzerte und Jugendtreffen.

Straßenzeile
Eine Straßenzeile in Bad Langensaiza mit alten Fachwerkhäusern.


Im „Klausenhof" am Fuße der Burg konnten wir unter alten Bäumen sitzen, zu Mittag essen und uns rundherum wohlfühlen. Eben deshalb fiel der Abschied schwer und die Zeit für unseren Besuch im Heilbad Heiligenstadt wurde sehr knapp. Vom Parkplatz am Kurpark aus gingen wir vorbei an der Stiftskirche St. Martin durch die Fußgängerzone zum Theodor-Storm-Literaturmuseum, das aber gerade seine Pforten schloss. Entschädigt wurden wir durch den Küster der Propsteikirche St. Marion gleich gegenüber, der uns aus freien Stücken Geschichte, Architektur und Kunstwerke der Kirche nahebrachte. Nach der Rückfahrt zum Hotel stand der Abend in Mühlhausen wieder zur freien Verfügung.

Für die Landeshauptstadt Erfurt, unser Ziel am nächsten Tag, hätte man sicher mehr Zeit gebraucht. Vom Parkplatz am Domplatz gingen wir wieder in zwei Gruppen durch die Innenstadt. Leider war der Dom nicht zugänglich, da eine Theatergruppe probte und auch die Sicht auf das gotische Bauwerk eingeschränkt war. Aber der Blick auf den ganzen, auf einer Anhöhe gelegenen Komplex mit dem Dom und der Pfarrkirche St. Severi mit ihrer Dreiturmfassade war sehr eindrucksvoll und bereitete den Weg durch die Innenstadt vor, die am Samstagmorgen äußerst belebt war. Schwerpunkte der Führung waren der Fischmarkt mit repräsentativen Gebäuden aus mehreren Epochen, das neugotische Rathaus und die Krämerbrücke. Die mittelalterliche Steinbrücke über das Flüßchen Gera ist die einzige vollständig mit Häusern bebaute Brücke in Mitteleuropa mit Läden und Handwerkerstuben in den historischen Fachwerkbauten.

Bürgerhaus

Das Bürgerhaus "Zum breiten Herd" mit reich verzierter Renaissance- fassade steht am Fischmarkt in Erfurt.

Auf dem Rückweg nach Mühlhausen machten wir noch Halt in Bad Langensalza. Dort demonstrierte uns eine in ihre Stadt offensichtlich verliebte Führerin, wie schön eine Kleinstadt sein kann. Langensaiza hat sich das mittelalterliche Stadtbild mit 17 Türmen der Stadtmauer erhalten und kämpft darum, dass Handel und Gewerbe und damit auch die Bewohner der Stadt die Treue halten. Am letzten Abend genossen wir das Mirage-Buffet in unserem Hotel und diskutierten teilweise noch lange, wie schön es in Thüringen und auf dem Eichsfeld war.

Die Rückfahrt am Sonntag war dann wieder von Dauerregen begleitet. Eigentlich wollten wir noch in Kassel einen Abstecher zum hoch gelegenen Herkules-Denkmal bei Schloss Wilhelmshöhe machen, wo man bei gutem Wetter einen weiten Blick über die Barockanlagen und die Stadt hat. Aber wegen fehlender Sicht ließen wir diesen Besuch ausfallen und fuhren zum Mittagessen nach Bad Sassendorf (bei Soest).

Auch bei unserer Ankunft in Wuppertal regnete es, aber das gehört eigentlich dazu. Beim Händeschütteln zum Abschied waren wir uns aber einig: Thüringen und das Eichsfeld haben sich gelohnt!

Zusammenfassend ist anzumerken -nicht zuletzt mit Blick auf unsere verarmten Kommunen und die besondere Notlage unserer Stadt Wuppertal, dass wir bei unseren Fahrten über Land nur Straßen im Bestzustand erlebt haben, auch bei den Durchfahrten in kleineren Orten. Die „blühenden Felder" waren manchmal etwas beeinträchtigt von den großflächigen Nachwirkungen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) aus DDR-Zeiten. Wir erlebten liebevoll restaurierte Innenbereiche sowohl in den Kleinstädten als auch in der Großstadt Erfurt. Allerdings sind auch wachsende Leerstände nicht zu übersehen, bedingt durch Abwanderung insbesondere jüngerer Leute dort, wo drückende Arbeitslosigkeit ihnen kaum Chancen für die Zukunft bietet. Aber solche Situationen sind auch uns im Westen nicht fremd. Es gibt also noch viel zu tun!


Mehr Informationen zu den Sommerreisen  des Bürgervereins: