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Vor 400 Jahren, im August 1610, wurden der Ortschaft Elberfeld, die
sich Freiheit Elberfeld nannte, vom Landesherrn Johann Sigismund,
Kurfürst von Brandenburg und (durch Heirat gewordener)
Anwärter auf die Herzogtümer
Jülich-Kleve-Berg, die Stadtrechte verliehen.
Die Ansiedlung in Elberfeld hatte aber schon einige Jahrhunderte
früher begonnen. Bereits um das Jahr 1000 herum wurde eine
Kapelle an jener Stelle gebaut, wo heute die Alte Reformierte Kirche
steht. Fundamente dieser Kapelle (einer kleinen einschiffigen
Saalkirche) wurden 1953 bei archäologischen Untersuchungen
entdeckt, die man in der 1943 beim Bombenangriff stark
zerstörten Kirche von 1689 durchführte, ehe der
Wiederaufbau erfolgte. Bei den Grabungen wurden auch Reste der um 1230
an gleicher Stelle erbauten spätromanischen Basilika gefunden.
Von dieser dreischiffigen Kirche sind noch Reste des
Chorgemäuers erhalten, die man von außen an der
Kirchstraße sehen kann. Diese Apsis ist der älteste
erhaltene oberirdische Baukörper in Elberfeld. Die heutige
Kirche ist der zweite Nachfolgebau der einstigen Kapelle und wurde kurz
nach dem verheerenden Stadtbrand von 1687 als barocker Saalbau
errichtet, dessen Innenausstattung im Zweiten Weltkrieg vernichtet
wurde.
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Die Burg Elberfeld und die
vorgelagerte Freiheit. Nach der Rekonstruktion von Gerhard August
Fischer.
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In nördlicher Nachbarschaft zur Kirche hin stand ein Tafelhof
des Erzbischofs von Köln. Aus dieser 1176 urkundlich
erwähnten Niederlassung entwickelte sich knapp 200 Jahre
später die Burg Elberfeld, die als Wasserburg von einem Teich
umgeben war, der wohl vom nahen Mirker Bach gespeist wurde. Urkundlich
erwähnt wird die Burg erstmals 1366, als sie ihren Besitzer
wechselte. Aber dieser Burg war keine sehr lange Lebensdauer
beschieden. Beim Stadtbrand von 1536 wurde auch dieses Anwesen
zerstört, aber nicht wieder aufgebaut. 1420 war neben der Burg
erstmals die Freiheit Elberfeld erwähnt worden, eine leicht
befestigte Ansiedlung, die sich zwischen der Burg und der Wupper
erstreckte. Diese „Freiheit" besaß bereits 1444
eine Ratsverfassung (mit Bürgermeister und Stadtrat) und damit
eine gute Voraussetzung für die 1610 erlangten Stadtrechte.
Schon seit langer Zeit nutzte man
in Barmen und Elberfeld im Tal der Wupper das weiche Quellwasser zum
Bleichen von Garnen auf den ufernahen Wiesen und schuf damit die
Grundlage der Textilverarbeitung und des wirtschaftlichen Aufstiegs der
beiden späteren Industriestädte. Im Jahre 1527
ließen sich die Handwerker und Geschäftsleute von
ihrem Landesherrn Herzog Johann von Jülich-Berg ein Privileg
ausstellen, das ausschließlich sie berechtigte, Rohgarn am
Ort zu bleichen und mit den Erzeugnissen auswärts Handel zu
treiben. Für einen stattlichen Geldbetrag von 861 Goldgulden
erkauften sich die Gewerbetreibenden vom Landesherrn das Monopol zum
Schutze der Garnnahrung, das ihre wirtschaftliche Existenz
sicherte. Dieses Privileg wurde erst 1810 unter der napoleonischen
Herrschaft aufgehoben.
Schon Mitte des 17. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung
kräftig an, als sich viele Weber und Bandwirker in Elberfeld
ansiedelten. Die erst 1619 erbaute Stadtmauer wurde schon knapp dreißig Jahre
später wieder abgerissen, weil sie die Entwicklung der Stadt
hemmte.
Bei dem bereits erwähnten Stadtbrand von 1687 wurden fast alle
Häuser des alten Elberfeld, das sich zwischen Wupper, Wall und
Morianstraße erstreckte, zerstört. Bei der damals
vorherrschenden Bauweise mit Holz und bei fehlendem Brandschutz
fraß sich ein Feuer schnell durch die zumeist eng bebauten
und winkligen Gassen. Aber der Wiederaufbau der Stadt erfolgte
erstaunlich schnell, da der Kurfürst allen Bürgern,
die ihre Häuser wiederaufbauten, das Versprechen gab, sie
für 20 Jahre von Steuern und Abgaben zu befreien.
In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Bedeutung der Textilwirtschaft
in der Stadt weiter an, nicht zuletzt mit der
Türkischrotfärberbei, die in den 1780er Jahren in
Elberfeld eingeführt wurde. Im 19. Jahrhundert war der Textil-
und Bekleidungssektor der Gewerbezweig, in dem rund 75 % der
Berufstätigen ihren Arbeitsplatz hatten. Auch im
frühen 20. Jahrhundert zählte noch mehr als jeder
zweite Arbeitsplatz in Elberfeld zu dieser Sparte. Mit der
Einführung der Dampfmaschine und dem Bau der Eisenbahn wurde
die Grundlage für den industriellen Aufstieg geschaffen.
Abschließend noch ein paar Einwohnerzahlen von Elberfeld:
- 1870: 72.000 Personen
- 1880: 93.500 Personen
- 1890: 125.900 Personen
- 1900: 150.600 Personen
- 1910: 173.000 Personen
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