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Nachruf auf unseren langjährigen Vorsitzenden


Am 28.10.1928 geboren, überlebte Hans Joachim Thias seinen aufwändig als Gast im Gemeindestift Blankstraße gefeierten 80. Geburtstag nur um gut ein halbes Jahr. Am 13. 06. 2009 verstarb er.

H. J. Thias

Der Entschlafene verbrachte seine Kindheit in der Gertrudenstraße auf dem Ölberg. Er besuchte zunächst die katholische Volksschule Hombüchel, sodann das Gymnasium Aue. In den Wirren gegen Kriegsende musste er die Schule verlassen und begann später eine Banklehre bei der Dresdner Bank. Nach seiner Abschlussprüfung hielt es ihn auf Dauer jedoch nicht dort, vielmehr sah er seine berufliche Zukunft bei Glanzstoff bzw. danach Akzo-Nobel, wo er im Finanzbereich und als Betriebsrat tätig wurde.

Daneben zog es Herrn Thias schon früh auf die kommunalpolitische Bühne. Ab Anfang der 1970er Jahre war er 12 Jahre lang Elberfelder Bezirksvorsteher. Er war damals FDP-Mitglied. Da die Wuppertaler bzw. Elberfelder FDP bei Kommunalwahlen niemals die Stimmenmehrheit errungen hatte - wie überall zumindest in NRW -, zeugt dies bereits von der anerkannten Persönlichkeit des Verstorbenen über die Parteigrenzen hinweg.

Seit 1968 engagierte sich Herr Thias gleichzeitig in unserem Bürgerverein der Elberfelder Südstadt e.V. Erster Vorsitzender unseres Bürgervereins war er seit 1993. Bereits seit 1976 hatte er das Amt des Zweiten Vorsitzenden bekleidet.

In die ersten Jahre seit seinem Eintritt in den Bürgerverein der Elberfelder Südstadt fällt der Beschluss der Stadt Wuppertal und der Landesregierung NRW zur Errichtung der Bergischen Universität Wuppertal. Ohne das Engagement unseres Bürgervereins und der Elberfelder Bezirksvertretung wäre dieser Beschluss möglicherweise nicht erfolgt. Unser Bürgerverein führte damals zahlreiche zum Teil öffentliche Veranstaltungen zu diesem Thema unter Hinzuziehung prominenter Befürworter des Vorhabens wie Johannes Rau, Ministerpräsident von NRW, durch. Hier stellten Bürgerverein und Elberfelder Bezirksvertretung entschlossen alle kleinlichen Bedenken hintenan und setzten sich im Interesse des großen bildungspolitischen Fortschritts in der Heimatstadt für die Errichtung der Gebäude ein, obwohl hierdurch ein Schmuckstück wie "Schreinerswiese" geopfert werden musste.

L 418

Den Bau der Landesstraße 418 im Stadtgebiet Elberfeld von Lichtscheid bis Theishahn und schließlich bis zur A 46 unterstützte Thias stets vehement. Ungeachtet oft gegengerichteter Strömungen auch im Bürgerverein, die der gewünschten Entlastung der Cronenberger Straße die (vermeintlich) große Sünde einer offenen Schneise durch das Burgholz entgegen setzten, vertrat er in zahlreichen Sitzungen zu diesem Thema seinen Standpunkt, den er geradlinig als schon immer im Bürgerverein herrschende Meinung bezeichnete. Die spätere Entwicklung gab ihm Recht. Entsprechend einem Vorschlag unseres Mitglieds Dipl. Ing. Heinz Kisler konnte nämlich letztlich die Schneise durch das Burgholz, die schreckliche Verluste an prächtigen Bäumen aus aller Welt zur Folge gehabt hätte, durch die Tunnellösung ersetzt werden. Das große herrliche Waldgebiet Burgholz blieb ungeteilt erhalten. Der Bürgerverein der Elberfelder Südstadt e.V. nimmt für sich in Anspruch, dass diese Lösung zumindest auch auf das Mittragen dieser Entwicklung durch seinen Vorstand und insbesondere seinen Vorstandsvorsitzenden Hans Joachim Thias zurückzuführen ist.

Technologieachse
Südhöhen

Auf dem Gelände der früheren Sagan-Kaserne am Eichholz entstand seit Mitte der 1990er Jahre die sog. Technologieachse Südhöhen. Der Bürgervereinsvorstand und sein Vorsitzender Thias haben die Ansiedlung der Technologieunternehmen auf den Südhöhen mit Wohlwollen begleitet, seit feststand, dass die Produktion von außen weder wahrzunehmen ist, noch die Reinheit der Luft beeinträchtigt wird, weil sie auf dem allerneuesten emissionstechnischen Standard basieren. Technologische Abteilungen der Universität Campus Freudenberg arbeiten mit den Privatunternehmen auf der gegenüber liegenden Seite der L 418 synergetisch zusammen. Die Firma Delphi setzt im Zuge dieser Entwicklung heute weltweit erstmalig die Computertomographie industriell zur Qualitätssicherung bei der Teilefertigung ein. Zurück geht diese Technik auf die Weiterentwicklung einer Erfindung des Lennepers Wilhelm Conrad Röntgen, nämlich des sog. 3D-Röntgenverfahrens.

Baustelle
Wolkenburg

Auch auf ganz anderer Ebene engagierte sich Thias und erreichte etwas: Wegen einer Großbaustelle auf der Wolkenburg strichen die WSW seit Herbst vergangenen Jahres den dort fahrenden Busverkehr. Auf Bitten zahlreicher älterer Anwohner, die mangels Autos nicht mehr in die Innenstadt kamen, trug Thias dies in einer Vorstandssitzung des Bürgervereins vor. Hierauf wurde die Bezirksvertretung Elberfeld durch den anwesenden Bezirksbürgermeister aufmerksam. Schließlich erreichten Thias und andere es, dass die Baustelle - äußerst ungewöhnlich - fast ein halbes Jahr früher fertig wurde als geplant und somit der Busverkehr sofort aufgenommen werden konnte.

Wenn auch nicht behauptet werden kann, dass diese positiven Entwicklungen ohne die Tätigkeit und das vielfältige Engagement des lieben Verstorbenen nicht denkbar wären: In wahrlich nicht geringem Maße hatte Hans Joachim Thias hieran Anteil, hierfür gebührt ihm Dank und Ehre.

Herr Thias war zur Würdigung seines Lebenswerkes für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes vorgesehen. Ein Termin zur Überreichung im Rathaus der Stadt Wuppertal war bereits festgelegt. Doch der Tod war schneller.

Ralph Hagemeyer
Vorsitzender


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