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So kam schließlich nur eine kleine, aber hochmotivierte Schar
zusammen. Der Aufzug der Dombauhütte brachte unsere
zwölfköpfige Gruppe und den Begleiter an einer
Zahnstange leicht ruckelnd hinauf in lichte 45 Meter Höhe just
dorthin, wo die Traufe um die Hauptdächer des Doms herum
verläuft.
Auf der "Balustraden-Etage" des
Kölner Doms erreicht man vom Aufzug der Dombauhütte
aus den Umgang. Dahinter das mit zentnerschweren Bleiplatten
eingedeckte Dach
Eine etwa mannshohe steinerne
Balustrade schützte uns vor den Gefahren der Tiefe,
gewährte uns aber auch wunderbare Durchblicke über
die Stadt Köln bis weit hinaus zu den Ringen aus
wilhelminischer Zeit und den jenseits des Eisenbahnrings gelagerten
Vororten, deren Kirchtürme allerdings in den diesig-grauen
Dunst der feuchten Luft entwichen.
Als wir den Dachumgang betraten, bot sich ein
überwältigender Blick: Wir schauten hinab auf die
großen Strebebögen, die die Gewölbe des
Langhauses gegen ein Auseinanderbersten schützen. Und die
zahllosen Fialen, die kleinen Ziertürmchen mit ihren Krabben
und Possen, auch Kriechblumen genannt, sahen wir aus nächster
Nähe. Spontan fühlten wir uns an Szenen des
Filmklassikers "Der Glöckner von Notre-Dame" erinnert, wo der
missgestaltete Gnom Quasimodo der anmutig unbescholtenen Zigeunerin
Esmeralda auf dem Turm der Kathedrale Asyl gewährt, um sie vor
Nachstellungen eines lüsternen Geistlichen zu bewahren...
Unter dem stählernen
Dachstuhl stehen Kölns teuerste Toiletten - mit über
40 Meter langem Fallrohr gegen Verstopfungen garantiert immun...
Unser Führer, ein
Steinmetz der Dombauhütte lenkte unseren Blick auf die
unterschiedlich gefärbten Steine der Mauern und
Türmchen: Sie bestehen aus unterschiedliche Steinsorten, von
denen die eine sich eher durch Härte des Materials
auszeichnet, während die andere Gesteinsart etwas weicher ist.
In abwechselnden Lagen verarbeitet, garantiert die vielschichtige
Bauweise eine gewisse Elastizität der einzelnen
Baukörper des riesigen Gotteshauses.
Der Kölner Hauptbahnhof
vom Dom aus gesehen
Das ist im Falle von
Erdstößen oder Erdbeben wichtig, die im Rheinland
und der Eifel eher auftreten als im Bergischen Land. Schon die
Baumeister des Hochmittelalters wussten von solchen Gefahren, sie
verfügten aber noch nicht über die
Berechnungsmethoden und Simulationstechniken heutiger Ingenieure und
Statiker. Die differenzierte Mauerschichtung hat den Effekt, dass sich
das Mauerwerk und die steinernen Verzierungen flexibel verhalten und
gegen Einsturzgefahr weitgehend gefeit sind. Allerdings verwittern die
Steinlagen unterschiedlich, wie man aus unmittelbarer Nähe gut
erkennen konnte. Der weiche Sandstein hat eine kürzere
Lebensdauer im Hinblick auf Auswaschungen durch sauren Regen usw. So
werden die Steinmetze der Dombauhütte nie arbeitslos...
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Unser Führer
demonstriert, wie schmal der Gang des Triforiums ist..
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Die Strebepfeiler des Doms |
Der Dachstuhl des Doms wurde in den 1870er Jahren vor seiner Vollendung
in Gestalt eines Stahlskeletts mit genieteten Bauteilen konstruiert,
jener damals noch recht neuen Technik, die wir beispielsweise vom
Eiffelturm, der Müngstener Brücke und dem
historischen Schwebebahngerüst kennen. Beim Blick von
außen aufs Domdach ahnt man nichts vom damaligen technischen
Fortschritt, da sich der gesamte Baukörper
äußerlich an den alten Fassadenplänen aus
dem 13. Jahrhundert orientiert - auch wenn über 600 Jahre ins
Land zogen, bis der Dom im Herbst 1880 im Beisein von Kaiser Wilhelm I.
eingeweiht wurde. Unter dem riesigen Dachstuhl blickten wir von oben
auf die gotischen Spitzbogengewölbe, die von
schützenden Kalotten überzogen sind. Im Dachgeschoss
befinden sich zwei Toilettenhäuschen für die
Mitarbeiter(innen) der Dombauhütte - Kölns teuerste
WCs, wie unser Führer augenzwinkernd anmerkte. Dafür
seien sie aber gegen Verstopfung des Abflussrohrs gut gefeit - bei 45 m
senkrechtem Fall der abzuleitenden Dinge...
Auf Stegen über den
Kalotten der Spitzgewölbe hat man Originalteile des alten
"Hahnenkamms" vom Dachfirst des Langhauses eingelagert
Über eine enge
Wendeltreppe, die deutlich schmaler angelegt wurde als die zum
Publikumsverkehr freigegebene Wendeltreppe im Südturm des Doms
zur 97 m hoch gelegenen Aussichtsplattform, gelangten wir ins
Triforium. So nennt man jenen schmalen Gang in den
Seitenwänden des Langhauses, der oberhalb der Gewölbe
zu den Seitenschiffen bereits zur Zeit der Romanik und vor allem der
Gotik gebaut wurde - angelegt meist aus gestalterischen
Gründen, ohne eigentliche Zweckbestimmung für einen
nutzbaren Gang. Sehr beeindruckend war auch der Blick durchs Langhaus
von der Westempore nahe den Haupttürmen herüber zum
Hochaltar mit dem Dreikönigsschrein. Die Sichtbeziehung von
hier oben schien uns schon fast entrückt zu haben vom
kirchlichen Geschehen im "Erdgeschoss" des Doms.
In jüngerer Zeit wurde nahe beim nördlichen Querhaus
die sogenannte Schwalbennestorgel eingebaut (1998). Dieses Instrument
wurde möglichst unauffällig in die gotische
Innenarchitektur des Doms eingefügt, um akustische Probleme
des Schalls zwischen Orgelspiel und Gemeindegesang zu
überwinden. Die junge Orgel besitzt ein besonderes Register
mit der Aufschrift "Löss jon" (Lass' gehen). "Allerdings
verleiht es dem Instrument keinen besonderen Klang. Es lässt
eine Holzfigur des ehemaligen Dompropstes Bernard Henrichs an der
Unterseite herausfahren. Dieser trägt eine Narrenkappe und
grüßt zur Melodie von ,M'r losse d' Dom in
Kölle' die Besucher" (so ein Bericht des Kölner
Stadt-Anzeigers vom 1. Oktober 2009). Damit diese Belustigung nicht
versehentlich bei unpassender Gelegenheit -etwa bei Heiligen Messen mit
Abendmahl - in Gang gesetzt wird, hat man einen besonderen
Schutzschalter eingebaut, der den Organisten vor peinlichen
Fehlbedienungen schützt...
Blick von der Westempore (ca. 25 m
hoch) durchs Langhaus zum Chor. Hinten links schmiegt sich in luftiger
Höhe die Schwalbennestorgel flach an die Seitenwand
Als wir schließlich auf
den Boden der Kirche zurückkehrten, mussten wir leider auf
einen Innenrundgang verzichten, da der Innenraum des Doms gerade
für Gottesdienstbesucher reserviert wurde und die Domschweizer
die nur zur Besichtigung erschienenen Gäste und damit auch
unsere Gruppe zum Ausgang drängten.
Als der Dom anno 1880 vollendet wurde, hatte man die
Dombauhütte abgerissen in dem guten Glauben, nun werde sie
nicht mehr benötigt. Aber bereits wenige Jahre später
wurde sie wieder eingerichtet, und der Dom ist seither eine ewige
Baustelle! Schon im Jahre 1902 zeigten sich starke
Verwitterungserscheinungen. 1927 mussten 72 Werkleute wieder
ausgebildet werden, um die vom sauren Regen verursachten
Schäden (Schwefelsäure in den Rauchgasen der
Großstadt) an den Sandsteinsorten aus mittelalterlicher und
neuester Zeit zu bekämpfen. Seit dem Herbst 1970 besitzt die
Dombauhütte die unterirdischen Räume bzw. den in der
Versenkung angelegten Innenhof an der Südost-Ecke des Doms,
unmittelbar neben dem Römisch-Germanischen Museum, dessen
Gebäude im Frühjahr 1974 eingeweiht wurde. Wir
schauten von der Domplatte in den Werkstatthof hinab.
Die Hohenzollernbrücke mit
den Zügen, die aus der Höhe klein wie
Modelleisenbahnen aussehen. Links hinter der Fiale hebt sich aus dem
Dunst der Messeturm auf der Deutzer Seite kaum ab.
Das Wetter hätte zwar
besser sein können - kein Sonnenstrahl lugte hinter den Wolken
des dicht bedeckten Himmels hervor, und die Luft schien schon recht
feucht zu sein. Aber immerhin war Petrus so gnädig, den
stärkeren Nieselregen erst einsetzen zu lassen, als wir uns am
Spätnachmittag wieder auf den Rückweg zum
Hauptbahnhof machten.
Nach einer Mittagspause, die jeder Teilnehmer individuell nutzen
konnte, trafen wir uns wieder auf der Freitreppe vor dem
Schokoladenmuseum. Diese private Einrichtung gehört zum
ImhoffKonzern, der der Stadt Köln mit der Stiftung eine Art
Wiedergutmachung für den Verlust vieler Arbeitsplätze
beim 1980 vollzogenen Auszug der traditionellen Stollwerckfabrik aus
der Kölner Südstadt nach Porz leistete.
Außerdem waren beim Umzug zahlreiche wertvolle Unterlagen aus
der traditionsreichen Firmengeschichte wiederaufgetaucht. 1865 hatte
Franz Stollwerck, ein Kölner Zuckerbäcker, mit der
Fabrikation von Schokolade begonnen.
Blick
nach Süden mit dem markanten Turm von Groß St.
Martin und weiter rechts dem Turm des Alten Rathauses.
Das Museum wurde im
Kölner Rheinauhafen auf einer Halbinsel mit dem
Gelände einer alten Zollstation und vorgelagerter
Drehbrücke errichtet. Der weitgehend verglaste Neubau erinnert
an den Schiffsbug eines großen Freizeitdampfers, der im Rhein
schwimmt. Das Museum liegt nur wenige Gehminuten flussaufwärts
vom Dom entfernt, zwischen der Deutzer Brücke und der
Severinsbrücke mit dem großen Pylon. Die Besucher
des Museums erleben zunächst den Werdegang des Kakaobaums und
den Weg von einem Pflanzenkeim zur erntereifen Kakaobohne. Ein
über eine gläserne Schleuse betretbarer Tropenraum
mit feuchtem Urwaldklima ließ uns fühlen, unter
welchen besonderen Bedingungen die Kakaostauden nur gedeihen und zu
haushohen Bäumen aufwachsen können. Zu den
wichtigsten Kakao-Exportländern gehören die
Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria. Aber auch in Teilen Asiens
(insbesondere in Indonesien) und Südamerikas (u. a. in
Brasilien) wird Kakao erzeugt. Wir können an dieser Stelle nun
nicht die komplizierten Entfaltungen der Natur und die Verarbeitung zur
kulinarischen Spezialität darstellen. Fahren Sie doch auch mal
nach Köln und besuchen Sie das Schokoladenmuseum!
Gerhard Hense
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