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Das Reformierte Gemeindestift wird in
diesem Jahr 330 Jahre alt. Bereits 1677 wurde am Mäuerchen das
reformierte Armenhaus eröffnet, das Waisen und Arme aufnahm. Nach über
zweihundert Jahren war das alte Gebäude recht baufällig und genügte
nicht mehr den Anforderungen. 1889 wurde ein Neubau an der Blankstraße
errichtet. Es ist das heutige Haupthaus des Alten- und Pflegeheims.
Nach der Kriegszerstörung wurde es 1950 wiederaufgebaut und später
modernisiert. 1955 baute man das zur Augustastraße hin gelegene Kleine
Haus. Mitte der siebziger Jahre folgte das Hochhaus.
Mit heute etwa 300 Bewohner(inne)n und ebenso vielen
Mitarbeiter(inne)n,
davon allein 180 im Bereich der Pflege, ist das Gemeindestift das
größte Alten-und Pflegezentrum in Wuppertal. Sein Leitsatz lautet:
"Soviel Selbständigkeit wie möglich, soviel Hilfe wie nötig". Seit 1996
ist es auch in der ambulanten Pflege und Betreuung tätig. Dieses
"mobile Diakonieteam" ist bestrebt, hilfs- und pflegebedürftigen
Menschen solange wie machbar ein Verbleiben in ihrer gewohnten Umgebung
zu ermöglichen, damit sie ihre Unabhängigkeit behalten und ein
weitgehend selbstbestimmtes Leben führen können.
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einem symbolischen Spatenstich wurde am 6. Juli der Umbau des kleinen
Hausses gestartet. |
Aber auch den Sterbenden und ihren Angehörigen widmet sich das
Gemeindestift in besonderer Weise. Im Jahre 1998 entstand die
Ökumenische Hospizgruppe (Begleitung im Sterben, Hilfe zum Leben) unter
Leitung einer Pfarrerin. Inzwischen wurden mehrere dutzend
Hospizhelfer(innen) ausgebildet, die in ehrenamtlicher Arbeit Sterbe-
und Langzeitbegleitung leisten, seit zwei Jahren auch bei
Pflegepatienten zu Hause. Außerdem haben einige Mitarbeiter(innen) im
Bereich der Pflege an der Weiterbildung "Palliative Care für Pflegende"
teilgenommen, die Schmerzlinderung für nicht mehr heilbare Kranke
betrifft.
Seit einigen Jahrzehnten wandelt sich die Struktur der Bevölkerung in
Deutschland. Die Lebenserwartung steigt, die Zahl der Geburten ist
rückläufig. Der Anteil der Senioren wächst weiter an, wobei zwei
Entwicklungen zu verzeichnen sind. Einerseits werden mehr Personen von
Alterserkrankungen betroffen, zum Beispiel unterschiedlichen Formen der
Demenz. Andererseits wird die Bevölkerungsgruppe zunehmen, die zwar
weiterhin ihr Leben selbstbestimmt gestalten möchten, sich wegen
geringer körperlicher Beschwerlichkeiten aber für betreute Wohnformen
entscheiden.
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So
wird das Kleine Haus künftig aussehen: in den Erweiterungsbauten vor
der Längsseite befinden sich die Praxisräume für Ärzte und
Physiotherapeuten. Obendrauf kommt eine gräumige Terrasse für die
Wohngruppen.
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Diesen unterschiedlichen Bedürfnissen will sich das Gemeindestift
stellen und künftig gemeinschaftlichen Wohngruppen und individuellen
Lebensformen Raum bieten. Dazu bedarf es aber zunächst vieler baulicher
Veränderungen in den drei Häusern.
Den Anfang macht das Kleine Haus. Hier werden im Untergeschoss je eine
ärztliche und eine physiotherapeutische Praxis angesiedelt, die sich
nicht nur an die Bewohner des Gemeindestifts, sondern auch an Patienten
von außerhalb wendet. Im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss werden zwei
Hausgemeinschaften für je neun Bewohner(innen) mit Einzelzimmern
eingerichtet. Beide Gemeinschaften werden für gerontopsychiatrische
Pflege und Betreuung ausgestattet. Im Dachgeschoss des Kleinen Hauses
finden vier Seniorenwohnungen mit separatem Hauseingang Platz. Bei
Bedarf können die Bewohner den ambulanten Pflegedienst anfordern. Der
Umbau des Kleinen Hauses begann im Juli 2007 und wird bis zum Frühjahr
2008 dauern. Hier werden rund 1,9 Mio. Euro investiert.
Im Erdgeschoss des Haupthauses finden sich im rechten Flügel - wie
bisher - Büroräume für Verwaltung und Pflegedienstleitungen, ein
Arztzimmerfür die ins Stift kommenden Augen- und Ohrenärzte, ferner
Räume für Friseur mit Maniküre und Pediküre. Im linken Flügel des
Erdgeschosses sowie in den drei Obergeschossen werden Räumlichkeiten
für insgesamt sieben Hausgemeinschaften geschaffen. Sie umfassen
jeweils 9 bis 11 Einzelzimmer mit integriertem Duschbad/WC für die
Bewohner. Jede Hausgemeinschaft erhält einen Gemeinschaftsraum samt
Kochküche, dem sich nach außen ein geräumiger Balkon anschließt. Jede
Etage erhält auch ein Pflege-Bad, das nach Wellness-Kriterien gestaltet
wird.
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Das Haupthaus wird
um einige Vorbauten erweitert, in den u.a. ein Cafe
mit Wintergarten eingerichtet wird. Auf der Rückfassade (zur
Blankstraße hin) werden Mehrzweck- unc Therapieräume angebaut. Am
auffälligsten sind aber die großen Balkone an den Seitenflügeln.
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Die einzelnen Hausgemeinschaften werden auf unterschiedliche
Zielgruppen ausgerichtet. So werden in einer Gemeinschaft künftig
betagte Ausländer wohnen. Eine andere Station wird junge
Pflegebedürftige aufnehmen, die aufgrund einer chronischen Erkrankung
oder Behinderung nicht mehr in ihrer häuslichen Umgebung versorgt
werden können. Eine andere Hausgemeinschaft wird für
gleichgeschlechtlich empfindende Menschen ausgerichtet.
Im Hochhaus werden vom Erdgeschoss bis zum 5. Obergeschoss drei
Wohnbereiche eingerichtet, die jeweils zwei Etagen umfassen. Zu jedem
Wohnbereich zählen Einzel- und Doppelzimmer, die alle mit integriertem
Duschbad und WC ausgestattet sind. Zentraler Treffpunkt auf jeder Etage
ist der Aufenthaltsraum mit integrierter Küche, die den
Lebensmittelpunkt der Bewohner(innen) darstellt.
Im 6. und 7. Stockwerk werden je eine Einraum- und fünf
Zweiraumwohnungen geschaffen. Sie sind mit Hausnotruf augestattet. Ihre
Bewohner können sich bei Bedarf vom ambulanten Pflegedienst betreuen
lassen. Die 8. Etage hat u. a. zwei Mehrzweckräume, die sich durch
flexible Wände zu einem großen Saal kombinieren lassen. Außerdem bietet
sich von den großen Terrassen ein weiter Blick über das Stadtgebiet.
Die Cafeteria, bisher in einem Obergeschoss des Haupthauses ansässig,
bekommt neue Räumlichkeiten. Das neue Cafe mit integriertem Kiosk wird
im Durchgangsbereich vom Haupthaus zum Hochhaus eingerichtet. Es
umfasst einen Wintergarten und eine Terrasse und ist von innen und
außen behindertengerecht zugänglich. Hier finden
Gäste von außen den täglich angebotenen Seniorenmittagstisch.
Mit der Schaffung von Hausgemeinschaften orientiert sich das
Reformierte Gemeindestift an den neuen Erkenntnissen der
Altersforschung, die in den letzten Jahren in
Hausgemeinschaftsprojekten gewonnen wurden. Demnach haben sich
überschaubare Gruppen bewährt, deren Bewohner in einem Großhaushalt
zusammenleben. Jeder hat zwar sein eigenes Zimmer mit Möbeln und
anderen persönlichen Gegenständen individuell eingerichtet, aber der
Mittelpunkt der Großraumwohnung ist eine geräumige Wohnküche, in der
vertraute hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Waschen, Kochen und
Bügeln verrichtet werden. Hierdurch bekommen die Bewohner Anregungen
und Reize, die bisher von der Eintönigkeit des Heimalltags nicht
geboten werden. Jede Hausgemeinschaft erhält eine speziell geschulte
Präsenzkraft, die gemeinsam mit den Bewohnern die täglichen Aktivitäten
verrichtet. Wenn ältere Menschen in solch überschaubaren, vertrauten
Kleineinheiten zusammen leben, kann der Beginn oder das Fortschreiten
einer Demenz wesentlich verzögert werden.
Mit der Verwirklichung des Projekts 2015 wird sich die Zahl der
Heimbewohner des Gemeindestitfts von einst 334 nach und nach auf 186
Personen verkleinern. Von ihnen wohnen dann 80 % in modern
ausgestatteten Einzelzimmern. Hinzu kommen rund 30 Mieter in insgesamt
16 Seniorenwohnungen. Insgesamt wird der Umbau aller drei Gebäude in
den nächsten acht Jahren rund 12 Mio. Euro kosten.
Das Konzept des Projekts 2015 trägt den Titel "Ein Dorf in unserer
Stadt -voller Leben und Gemeinschaft". Dies wird auch in der
Außenanlage des Gemeindestifts mit der Hofstraße, dem Kleintiergarten
mit Kaninchen- und Vogelgehege und den angrenzenden Grünanlagen
anschaulich. Hier können sich die Bewohner(innen) des Stifts wie auf
einem Marktplatz treffen, auf dem auch ein Brunnen steht. An die lange
Tradition erinnert der Sockel des Armenpflegedenkmals, der im
Untergrund des Kirchplatzes vor ein paar Jahren wiedergefunden wurde.
Vor zehn Jahren wurde eine weitere Tradition begründet, die täglich
ganz junge Besucher ins Gemeindestift bringt, seit hier die
Kindertagesstätte der Elterninitiative "Die Stifte e. V." eingerichtet
wurde.
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