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Reformiertes Gemeindestift startet sein Bauprojekt 2015

Das Reformierte Gemeindestift wird in diesem Jahr 330 Jahre alt. Bereits 1677 wurde am Mäuerchen das reformierte Armenhaus eröffnet, das Waisen und Arme aufnahm. Nach über zweihundert Jahren war das alte Gebäude recht baufällig und genügte nicht mehr den Anforderungen. 1889 wurde ein Neubau an der Blankstraße errichtet. Es ist das heutige Haupthaus des Alten- und Pflegeheims. Nach der Kriegszerstörung wurde es 1950 wiederaufgebaut und später modernisiert. 1955 baute man das zur Augustastraße hin gelegene Kleine Haus. Mitte der siebziger Jahre folgte das Hochhaus.

Mit heute etwa 300 Bewohner(inne)n und ebenso vielen Mitarbeiter(inne)n, davon allein 180 im Bereich der Pflege, ist das Gemeindestift das größte Alten-und Pflegezentrum in Wuppertal. Sein Leitsatz lautet: "Soviel Selbständigkeit wie möglich, soviel Hilfe wie nötig". Seit 1996 ist es auch in der ambulanten Pflege und Betreuung tätig. Dieses "mobile Diakonieteam" ist bestrebt, hilfs- und pflegebedürftigen Menschen solange wie machbar ein Verbleiben in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen, damit sie ihre Unabhängigkeit behalten und ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen können.

künftiges kleines haus
Mit einem symbolischen Spatenstich wurde am 6. Juli der Umbau des kleinen Hausses gestartet.


Aber auch den Sterbenden und ihren Angehörigen widmet sich das Gemeindestift in besonderer Weise. Im Jahre 1998 entstand die Ökumenische Hospizgruppe (Begleitung im Sterben, Hilfe zum Leben) unter Leitung einer Pfarrerin. Inzwischen wurden mehrere dutzend Hospizhelfer(innen) ausgebildet, die in ehrenamtlicher Arbeit Sterbe- und Langzeitbegleitung leisten, seit zwei Jahren auch bei Pflegepatienten zu Hause. Außerdem haben einige Mitarbeiter(innen) im Bereich der Pflege an der Weiterbildung "Palliative Care für Pflegende" teilgenommen, die Schmerzlinderung für nicht mehr heilbare Kranke betrifft.

Seit einigen Jahrzehnten wandelt sich die Struktur der Bevölkerung in Deutschland. Die Lebenserwartung steigt, die Zahl der Geburten ist rückläufig. Der Anteil der Senioren wächst weiter an, wobei zwei Entwicklungen zu verzeichnen sind. Einerseits werden mehr Personen von Alterserkrankungen betroffen, zum Beispiel unterschiedlichen Formen der Demenz. Andererseits wird die Bevölkerungsgruppe zunehmen, die zwar weiterhin ihr Leben selbstbestimmt gestalten möchten, sich wegen geringer körperlicher Beschwerlichkeiten aber für betreute Wohnformen entscheiden.

künftiges kleines haus
So wird das Kleine Haus künftig aussehen: in den Erweiterungsbauten vor der Längsseite befinden sich die Praxisräume für Ärzte und Physiotherapeuten. Obendrauf kommt eine gräumige Terrasse für die Wohngruppen.


Diesen unterschiedlichen Bedürfnissen will sich das Gemeindestift stellen und künftig gemeinschaftlichen Wohngruppen und individuellen Lebensformen Raum bieten. Dazu bedarf es aber zunächst vieler baulicher Veränderungen in den drei Häusern.
Den Anfang macht das Kleine Haus. Hier werden im Untergeschoss je eine ärztliche und eine physiotherapeutische Praxis angesiedelt, die sich nicht nur an die Bewohner des Gemeindestifts, sondern auch an Patienten von außerhalb wendet. Im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss werden zwei Hausgemeinschaften für je neun Bewohner(innen) mit Einzelzimmern eingerichtet. Beide Gemeinschaften werden für gerontopsychiatrische Pflege und Betreuung ausgestattet. Im Dachgeschoss des Kleinen Hauses finden vier Seniorenwohnungen mit separatem Hauseingang Platz. Bei Bedarf können die Bewohner den ambulanten Pflegedienst anfordern. Der Umbau des Kleinen Hauses begann im Juli 2007 und wird bis zum Frühjahr 2008 dauern. Hier werden rund 1,9 Mio. Euro investiert.

Im Erdgeschoss des Haupthauses finden sich im rechten Flügel - wie bisher - Büroräume für Verwaltung und Pflegedienstleitungen, ein Arztzimmerfür die ins Stift kommenden Augen- und Ohrenärzte, ferner Räume für Friseur mit Maniküre und Pediküre. Im linken Flügel des Erdgeschosses sowie in den drei Obergeschossen werden Räumlichkeiten für insgesamt sieben Hausgemeinschaften geschaffen. Sie umfassen jeweils 9 bis 11 Einzelzimmer mit integriertem Duschbad/WC für die Bewohner. Jede Hausgemeinschaft erhält einen Gemeinschaftsraum samt Kochküche, dem sich nach außen ein geräumiger Balkon anschließt. Jede Etage erhält auch ein Pflege-Bad, das nach Wellness-Kriterien gestaltet wird.

Haupthaus
Das Haupthaus wird um einige Vorbauten erweitert, in den u.a. ein Cafe mit Wintergarten eingerichtet wird. Auf der Rückfassade (zur Blankstraße hin) werden Mehrzweck- unc Therapieräume angebaut. Am auffälligsten sind aber die großen Balkone an den Seitenflügeln.


Die einzelnen Hausgemeinschaften werden auf unterschiedliche Zielgruppen ausgerichtet. So werden in einer Gemeinschaft künftig betagte Ausländer wohnen. Eine andere Station wird junge Pflegebedürftige aufnehmen, die aufgrund einer chronischen Erkrankung oder Behinderung nicht mehr in ihrer häuslichen Umgebung versorgt werden können. Eine andere Hausgemeinschaft wird für gleichgeschlechtlich empfindende Menschen ausgerichtet.

Im Hochhaus werden vom Erdgeschoss bis zum 5. Obergeschoss drei Wohnbereiche eingerichtet, die jeweils zwei Etagen umfassen. Zu jedem Wohnbereich zählen Einzel- und Doppelzimmer, die alle mit integriertem Duschbad und WC ausgestattet sind. Zentraler Treffpunkt auf jeder Etage ist der Aufenthaltsraum mit integrierter Küche, die den Lebensmittelpunkt der Bewohner(innen) darstellt.

Im 6. und 7. Stockwerk werden je eine Einraum- und fünf Zweiraumwohnungen geschaffen. Sie sind mit Hausnotruf augestattet. Ihre Bewohner können sich bei Bedarf vom ambulanten Pflegedienst betreuen lassen. Die 8. Etage hat u. a. zwei Mehrzweckräume, die sich durch flexible Wände zu einem großen Saal kombinieren lassen. Außerdem bietet sich von den großen Terrassen ein weiter Blick über das Stadtgebiet.

Die Cafeteria, bisher in einem Obergeschoss des Haupthauses ansässig, bekommt neue Räumlichkeiten. Das neue Cafe mit integriertem Kiosk wird im Durchgangsbereich vom Haupthaus zum Hochhaus eingerichtet. Es umfasst einen Wintergarten und eine Terrasse und ist von innen und außen behindertengerecht zugänglich. Hier finden
Gäste von außen den täglich angebotenen Seniorenmittagstisch.

Mit der Schaffung von Hausgemeinschaften orientiert sich das Reformierte Gemeindestift an den neuen Erkenntnissen der Altersforschung, die in den letzten Jahren in Hausgemeinschaftsprojekten gewonnen wurden. Demnach haben sich überschaubare Gruppen bewährt, deren Bewohner in einem Großhaushalt zusammenleben. Jeder hat zwar sein eigenes Zimmer mit Möbeln und anderen persönlichen Gegenständen individuell eingerichtet, aber der Mittelpunkt der Großraumwohnung ist eine geräumige Wohnküche, in der vertraute hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Waschen, Kochen und Bügeln verrichtet werden. Hierdurch bekommen die Bewohner Anregungen und Reize, die bisher von der Eintönigkeit des Heimalltags nicht geboten werden. Jede Hausgemeinschaft erhält eine speziell geschulte Präsenzkraft, die gemeinsam mit den Bewohnern die täglichen Aktivitäten verrichtet. Wenn ältere Menschen in solch überschaubaren, vertrauten Kleineinheiten zusammen leben, kann der Beginn oder das Fortschreiten einer Demenz wesentlich verzögert werden.

Mit der Verwirklichung des Projekts 2015 wird sich die Zahl der Heimbewohner des Gemeindestitfts von einst 334 nach und nach auf 186 Personen verkleinern. Von ihnen wohnen dann 80 % in modern ausgestatteten Einzelzimmern. Hinzu kommen rund 30 Mieter in insgesamt 16 Seniorenwohnungen. Insgesamt wird der Umbau aller drei Gebäude in den nächsten acht Jahren rund 12 Mio. Euro kosten.

Das Konzept des Projekts 2015 trägt den Titel "Ein Dorf in unserer Stadt -voller Leben und Gemeinschaft". Dies wird auch in der Außenanlage des Gemeindestifts mit der Hofstraße, dem Kleintiergarten mit Kaninchen- und Vogelgehege und den angrenzenden Grünanlagen anschaulich. Hier können sich die Bewohner(innen) des Stifts wie auf einem Marktplatz treffen, auf dem auch ein Brunnen steht. An die lange Tradition erinnert der Sockel des Armenpflegedenkmals, der im Untergrund des Kirchplatzes vor ein paar Jahren wiedergefunden wurde. Vor zehn Jahren wurde eine weitere Tradition begründet, die täglich ganz junge Besucher ins Gemeindestift bringt, seit hier die Kindertagesstätte der Elterninitiative "Die Stifte e. V." eingerichtet wurde.

Mehr Informationen:

Webseite des Gemeindestiftes:

http://www.reformiertes-gemeindestift.de/homepage.htm

 

Artikel in der Zeitschrift des Bürgervereins über das Gemeindestift:

zschrift1-2005/buch_gemeindestift.html

zschrift2-2004/gemeindestift-lions.html