Manfred Zöllmer besuchte den Stadtverband

Am 23. Mai besuchte der Bundestagsabgeordnete Manfred Zöllmer den Stadtverband. Der Sozialdemokrat errang bei den Bundestagswahlen im Jahre 2002 und 2005 jeweils das Direktmandat in seinem Wuppertaler Wahlkreis. Vor den zahlreich erschienenen Vertretern der Bürger- und Bezirksvereine sprach Zöllmer zu Fragen der Großen Koalition.


Manfred Zöllmer, aufgenommen bei einem Besuch des Museums für Frühindustrialisierung in Barmen, Anfang 2004. Im Regal hinter ihm sind Lochkarten zur Steuerung von Etiketten-Webmaschinen gestapelt.


Mit dem knappen Wahlergebnis vom letzten Herbst hat der Wähler, so Zöllmer, eine klare Absage für mögliche kleine Koalitionen schwarz-gelber oder rot-grüner Prägung erteilt. Die Große Koalition verändere die politische Kultur, da sie die beiden großen Parteien zur Zusammenarbeit zwinge und Chancen für Reformen biete: "Die politische Diskussion kann ruhiger geführt werden als in Zeiten lautstarker Opposition." Die Große Koalition sei weniger anfällig für den Druck von Lobby-Gruppen. Allerdings ist die neue Konstellation schwierig für die jetzige Opposition, da diese sich aus ganz verschiedenen Parteien zusammensetzt.

In der jetzigen Legislaturperiode sollten, so Zöllmer, die großen Reformen durchgeführt werden, um nach der nächsten Wahl wieder andere politische Konstellationen zu ermöglichen. Im Vorfeld der jetzigen Großen Koalition wurde ein umfangreicher Koalitionsvertrag ausgehandelt. Die Haushaltssituation des Bundes ist, so Zöllmer, mit der der Stadt Wuppertal vergleichbar, da beide Etats Deckungslücken aufweisen und damit nicht verfassungskonform sind. Ein Großteil der Schulden resultiert aus Sozialausgaben und Zinsbelastungen und erlaubt kaum Gestaltungsspielraum. Die Neuverschuldung des Bundes muss deshalb um 16 Milliarden Euro gesenkt werden. Dieser Betrag ist allein durch Ausgabenkürzungen nicht zu erreichen. Deshalb führt, so Zöllmer, an der Erhöhung der Mehrwertsteuer um 3 Prozentpunkte ab 2007 kein Weg vorbei: "Ich sehe zu dieser Erhöhung keine realistische Alternative." Ein Prozentpunkt dieser Mehreinnahmen dient der Senkung der Lohnnebenkosten. Auch den Länderhaushalten fließt ein Teil der Mehreinnahmen zu.


Auch das Thema Gesundheitsreform sprach Zöllmer an. Das Gesundheitssystem müsse effizienter und bezahlbarer werden. Dazu müssten die Ausgaben begrenzt werden. Noch ungelöst ist das Problem der Kostenexplosion, weil viele alte Menschen pflegebedürftig werden: "Wir müssen erreichen, dass die ambulante Pflege verbessert werden kann, damit Alte möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung leben können!"


Zöllmer begrüßte die Föderalisreform, da das Verhältnis zwischen Bund und Ländern immer undurchschaubarer wurde und von diesem System nur die Ministerpräsidenten der Länder profitierten: "Wir müssen zu Entzerrungen kommen und klare Zuständigkeiten festlegen."


Zum Stichwort Arbeitslosigkeit merkte der Bundestagsabgeordnete an, die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe sei richtig. In Wuppertal funktioniere die Zusammenarbeit zwischen der Agentur für Arbeit (Arbeitsamt) und Sozialdezernat. Aber es gebe Probleme bei der Kostenentwicklung, zum Beispiel bei den Bedarfsgemeinschaften. Auch sei die bisherige Vorstellung, man könne die in Maßnahmen beschäftigten Personen wieder in den ersten Abeitsmarkt auf Sicht eingliedern, kurzfristig nicht realistisch. Neue Arbeitsplätze entstehen derzeit fast nur im Handwerk und im Mittelstand, nicht aber in Großunternehmen.


Auf dem Feld der Außenpolitik gibt es neue globale Herausforderungen: Deutschland muss Bundeswehreinsätze im Ausland durchführen. Auch deshalb ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland, der Europäischen Union und den USA unabdingbar.


Im Hinblick auf die Zukunft der Großen Koalition äußerte Zöllmer sich optimistisch, dass er diese vier Jahre voll arbeiten werde, da der Zwang zu Kompromissen beide Koalitionspartner verpflichte.


In der anschließenden Diskussion wurden einige Fragen vertieft. Das Problem der hohen Staatsverschuldung liege darin, dass künftige Generationen wegen der hohen Zinsbelastung (heute etwa 43 Mrd. Euro pro Jahr) kaum Gestaltungsspielraum haben. Das bewirke eine Umverteilung von unten nach oben. Zum Thema Renten merkte der Redner an, diese könnten wieder erhöht werden, wenn die Löhne stiegen. Dazu sei aber ein Anstieg der Konjunktur und der Binnennachfrage nötig.


Auf die Frage, ob wir angesichts der europäischen Einigung noch die Ebene der Länder in Deutschland benötigen, äußerte sich Zöllmer zurückhaltend. Der Bestand der Länder sei im Grundgesetz festgelegt. Und das Scheitern der Fusion von Brandenburg und Berlin habe andere derartige Bestrebungen abgeschreckt.


Zum Schluss der Aussprache wurde auch noch das Problem des Rechtsextremismus kurz angesprochen. In den neuen Bundesländern leben zwar nur sehr wenige Ausländer und Migranten, aber hier ist Rechtsradikalismus zum Teil stärker sichtbar als im Westen. Der Rechtsextremismus müsse, so Zöllmer, langfristig bekämpft werden. Dieses Themenfeld bietet jedoch genug Stoff für einen eigenen Gesprächsabend.


Mehr Informationen:

http://www.manfred-zoellmer.de/




sda