Buchvorstellung

Türme in Wuppertal
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Sie ragen mehr oder weniger hoch in den Himmel, sind rund oder eckig und dienen unterschiedlichen Zwecken: Türme. Einst wurden sie zum Schutz von Burgen und Städten erbaut, weil sie von erhöhter Warte aus den Blick bis weit in die Ferne ermöglichten. So konnten die Wächter auf den Türmen in der Antike und im Mittelalter heranrückende Feinde frühzeitig erkennen und die Verteidigung einleiten. Seit über tausend Jahren wurden auch Kirchtürme errichtet, die auf lange Zeit alle anderen Bauten überragten. Im späten 19. Jahrhundert kamen Wassertürme und Aussichtstürme hinzu. Seit über fünfzig Jahren werden auch Fernmeldetürme errichtet, die vor allem der drahtlosen Übertragung von Ferngesprächen und Fernsehprogrammen dienen. Nicht selten wurden Türme zu Wahrzeichen einer Stadt.

Auch in Wuppertal gibt es eine Vielzahl von Türmen. Der Wuppertaler Journalist Heinz Oelfke hat sich nun in seiner Heimatstadt von West nach Ost, mit Abstechern nach Norden und Süden, auf den Weg gemacht und viele Türme fotografiert und in einem Bildband zusammengefügt.



Cronenbergs Wahrzeichen: die barocke Zwiebel auf dem Turm der reformierten Kirche


Im erst 1975 nach Wuppertal eingemeindeten westlichsten Ortsteil Schöller steht eine im Kern über 800 Jahre alte romanische Kirche, deren Turm und der gleichfalls aus Bruchstein errichtete "Schinderhannes-Turm" (13. Jahrhundert) des benachbarten Guts Schöller zugleich die beiden ältesten Türme in unserer Stadt sind. Die vielen anderen Türme sind deutlich jünger, beginnend mit der alten reformierten Kirche in Elberfeld, deren heutiger Turm im späten 17. Jahrhundert errichtet wurde. Die nicht weit entfernte alte Kirche am Kolk wurde von den Lutheranern um 1750 erbaut. Etwa zwanzig Jahre später entstand die reformierte Kirche in Cronenberg und um 1780 die alte evangelische Kirche in Wupperfeld. Die Türme dieser vier Kirchen sind mit Zwiebelhauben bekrönt, die für das Bergische Land typisch sind. Älter als diese auch in Bruchstein erbauten Kirchenbauten ist die spätgotische Klosterkirche in Beyenburg (Ende 15. Jahrhundert), die aber ohne Turm erbaut wurde und nur einen Dachreitererhielt. Mit Dachreitern müssen sich auch die Kirchenbauten in Laaken und an der Oberen Lichtenplatzer Straße begnügen.



Die Mehrzahl der Wuppertaler Kirchen stammt aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Die meisten von ihnen hat Oelfke in seinem Buch vereint, auch wenn zum Beispiel die 1974 erbaute Remigius-Kirche in Sonnborn fehlt, ein eigentümlicher Zentralbau mit separatem Turm. Allerdings erhebt das Buch auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Immerhin ist aber das erst vor ein paar Jahren gebaute Minarett der Moschee an der Gathe abgebildet.

Die an einer Hand abzählbaren Aussichtstürme unserer Stadt sind aber alle unter den Abbildungen zu finden. Während man den Bismarckturm und den Toelleturm regelmäßig besteigen kann, sind der Weyerbusch-Turm (Nützenberg), Von-der-Heydt-Turm (Kiesberg) und der Elisenturm (Botanischer Garten) nur selten zugänglich. Letzteres gilt auch für die beiden historischen Rathäuser am Elberfelder Neumarkt und in Vohwinkel.


Um 1830 wurde die Unterbarmer Hauptkirche erbaut, also zeitgleich zur Elberfelder Laurentiuskirche.


Auch die in Wuppertal stehenden Wassertürme stellt Oelfke komplett vor, ergänzt um den historischen Turm in Solingen-Gräfrath, den ein Wuppertaler Unternehmen zu einem modernen "Leuchtturm" mit Glaskuppel umgebaut hat. Im weiteren Sinne zu den turmähnlichen Gebäuden zählt der Herausgeber auch den stillgelegten Gaskessel in Oberbarmen, für den noch keine neue Nutzung gefunden wurde.

Zu den unverwechselbaren Wahrzeichen Wuppertals zählt auch der Sparkassenturm mit seinen 19 Obergeschossen. Darüber hinaus sind hier auch einige historische öffentliche Gebäude mit schmucken Ecktürmen zu nennen, vor allem die Stadthalle und das 1881 erbaute Restaurationsgebäude des Zoologischen Gartens. Und an zwei historischen Schwebebahnstationen (Werther Brücke und Landgericht) wertet Oelfke die dekorativen Dachhauben an den Treppenaufgängen als Türmchen. Das trifft wohl besser auf die verglasten Treppenhäuser an der Endstation in Oberbarmen zu. Und ziemlich spitzfindig bezeichnet der Autor auch die stählernen Pylone, die das Schwebebahngerüst über der großen Straßenkreuzung am Alten Markt halten, als Türme. Aber sie sind natürlich eine sehr beachtliche Konstruktion.

Aber auch in den Wohnquartieren gibt es an manchen Häusern hübsche Türmchen zu entdecken, etwa an der Ecke Hochstraße/Ludwigstraße oder an der Ecke Luisenstraße/Untergrünewalder Straße. Beide finden sich in dem neuen Band.

Und schließlich sind auch die beiden Fernmeldetürme vom Westfalenweg und Jung-Stilling-Weg (Rigi Kulm) gut abgebildet. In den Textzeilen dazu dürfte aber mancher Leser die Stirn runzeln, wenn Heinz Oelfke zweimal den Turm auf den Nordhöhen als den "kleineren Bruder" von Rigi Kulm bezeichnet. Immerhin ist der Turm auf den Südhöhen knapp 100 Meter hoch, während der nördliche Partner etwa 133 Meter in die Höhe ragt. Und wenn der Autor dann auch noch die Fernsehtürme in Berlin, Köln und Düsseldorf als "niedrige Fernsehtürmchen" belächelt, wirkt etwas skurril angesichts des immerhin 365 m hohen Fernsehturms in Berlin (Alexanderplatz), des 243 m aufragenden "Colonius" in Köln oder des 236 m hohen "Rheinturms" in Düsseldorf. Den von Oelfke für "Rigi Kulm" beanspruchten Spitzenplatz erreicht dieser nur im Hinblick auf seinen topographischen Standort über Normalnull (330 m).

Aber insgesamt bietet Oelfkes Buch mit rund 100 Fotos, von denen etwa die Hälfte farbig ist, gute Anregungen, die Heimatstadt einmal aus etwas anderem Blickwinkel als gewohnt zu betrachten.

Heinz Oelfke: Wuppertaler Türme.
Sutton Verlag, Erfurt 2006.
95 Seiten, Preis: 17,90 Euro.

Mehr Informationen:

http://www.suttonverlag.de/shop/produkt_nordrhein-westfalen_wuppertaler_tuerme_998.php