Buchvorstellung:

Die Pianofabrik Ibach

In unserer Nachbarstadt Schwelm hat die Klavierfabrik Rudolf Ibach ihren Sitz. Gegründet wurde sie als Handwerksbetrieb bereits im Jahre 1794 von Adolph Ibach in Beyenburg, dem heute östlichsten Stadtteil von Wuppertal. Einige Jahre später siedelte sich die Orgel- und Klavierbauwerkstatt in Barmen an. Bereits um 1850 zählte sie zu den drei größten Klavierherstellern in Preußen. Damals erlebte auch der Orgelbau einen großen Aufschwung, der 1869 bei Ibach zur Teilung in zwei eigenständige Firmen führte. Die "Pianofortemanufaktur Rud. Ibach Sohn" wurde nach dem Enkel des Firmengründers benannt und trägt diesen Namen noch heute. Ein paar Jahre später wurde in Schwelm ein zweites Werk gegründet.

Seine goldenen Jahre erlebte das Unternehmen Ibach etwa in dem Zeitraum von 1900 bis 1914, ehe der Erste Weltkrieg ausbrach. In dieser Blütezeit eröffnete Ibach 1903 eine dritte Fabrik, die in Berlin für die steigende Nachfrage eingerichtet wurde. Damals wurden bei Ibach jährlich bis zu 5000 Klaviere und Flügel hergestellt, von denen nicht wenige Instrumente bis nach Übersee exportiert wurden. In mehreren Städten, so in Düsseldorf, Köln und Barmen, besaß Ibach eigene Konzertsäle. Berühmte Komponisten wie Franz Liszt, Max Reger, Arnold Schönberg und Richard Strauss besaßen Ibach-Flügel. Richard Wagner komponierte Teile seiner Oper "Parsifal" an einem Ibach-Flügel. Verschiedene Künstler der Kolonie Mathildenhöhe in Darmstadt schufen Entwürfe für Flügel und Klaviere, die bei Ibach realisiert wurden.

Blick in die Berliner Fabrik der Firma Ibach.

Nach dem Ersten Weltkrieg fielen wichtige Absatzgebiete, etwa im Baltikum und in Russland, fort. Und in Südamerika, Australien und Asien eroberten amerikanische Hersteller die dortigen Märkte. Aber auch technische Neuheiten wie Grammophon und Radio machten den Klavierbauern Konkurrenz, da man sich nun Klaviermusik anhören konnte, ohne ein Tasteninstrument in der Wohnung aufstellen zu müssen oder einen Konzertsaal aufzusuchen.

Im Zweiten Weltkrieg ruhte die Produktion, außerdem wurde das Werk in Barmen ein Opfer des Bombenkriegs. Nach 1950 begann man bei Ibach, nun nur noch im Schwelmer Werk mit der Neuproduktion von Klavieren und Flügeln. In Wuppertal-Elberfeld unterhielt Ibach bis vor einigen Jahren ein großzügiges Ladenlokal an der Robertstraße. Im Jahre 1956 wurde das 100.000 Ibach-lnstrument gebaut. In den letzten Jahrzehnten wurden auch in Europa verstärkt Instrumente aus Asien angeboten, die Ibach und den wenigen anderen verbliebenen einheimischen Herstellern massiv Konkurrenz machten.

Heute werden bei Ibach zum einen Standardinstrumente produziert, zum anderen aber auch hochwertige Einzelstücke, deren Gehäuse von Künstlern oder Architekten entworfen wurden. Außerdem werden historische Klaviere und Flügel restauriert. Inzwischen ist die Familie Ibach in siebter Generation in ihrem Unternehmen tätig.

Das Einzelhandelsgeschäft von Ibach in der Elberfelder Robertstraße.

Ein jüngst erschienener Bildband bietet reichhaltige Einblicke in die über 210-jährige Geschichte des traditionsreichen Hauses Ibach. Auf 221 Abbildungen begegnet der Leser berühmten Pianisten und Komponisten und natürlich den Mitgliedern der Familie Ibach, die sich seit vielen Generationen für den Klavierbau engagiert. Und man blickt in die Musiksalons namhafter Unternehmerfamilien wie Krupp oder Thyssen, die sich bei Ibach Unikate bauen ließen, in denen sich der Zeitgeschmack ihrer Epoche widerspiegelt. Eine ganze Anzahl Fotos entstand in den Werkstätten seit etwa 1920 und zeigt das handwerkliche Geschick, das man für den Klavierbau braucht. Bis der hölzerne Resonanzboden, der metallene Gussrahmen, die Saiten, die Hämmer und die Tastatur in das Gehäuse eingefügt werden können, bedarf es vieler Arbeitsschritte, damit ein wohlklingendes Instrument entsteht. Der Werdegang eines mechanischen Musikinstruments bietet auch dem Auge mehr als die Produktion von elektronischen Instrumenten.

Florian Speer:
Rud. Ibach Sohn, weltälteste Klaviermanufaktur. Sutton-Verlag Erfurt 2006, 127 S., Preis: 17,90 Euro
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Mehr Informationen:

http://www.suttonverlag.de/shop/produkt_arbeitswelten_rud_ibach_sohn_963.php#