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Rückblende ins Jahr 1968:
Die bunte Bürgervereins-Palette
Der
nachfolgende Beitrag erschien im Herbst 1968 in Heft 2/1968 unseres
Mitteilungsblatts. Er erinnert uns an einige vor fast vierzig Jahren
lebhaft diskutierte Fragen.
Der
Stadtverband der Bürger- und Bezirksvereine Wuppertal, dessen
Vorsitzender unser erster Vorsitzender Dr. Friedrich Hagemeyer ist,
fasste folgende wichtige Entschließungen, die unseren
Mitgliedern nicht vorenthalten bleiben dürfen:
Zusammenschluss von Wuppertal mit
Teilen der Nachbarschaft
befürwortet
1. Die
in den Bürgervereinen zusammengeschlossene
Bürgerschaft der Stadt Wuppertal begrüßt
die Anstrengungen der Stadtvertretung und Stadtverwaltung zur Aufnahme
von Teilen unserer Nachbarschaft in unsere Stadt. Sie ist der
Überzeugung, dass ein solcher Zusammenschluss nicht nur im
Interesse der Bürger der Stadt Wuppertal, sondern auch im
wohlverstandenen Interesse der Bürger in unserer Nachbarschaft
liegt, die von Seiten der Stadt Wuppertal herzlich in ihrer Mitte
aufgenommen würden.
Die
Bürger Wuppertals erwarten allerdings auch von der
Landesregierung und von den Landtagsabgeordneten, dass sie nicht
trennen, sondern noch enger zusammenschließen, was
wirtschaftlich, landschaftlich,
erschließungsmäßig und in jeder anderen
Hinsicht seit langem zusammengehört. (Hierzu ist redaktionell
zu bemerken, dass in der Zwischenzeit auf diesem Gebiet keine
Änderung eingetreten ist Die Neuordnung des
Ennepe-Ruhr-Kreises, die dem Landtag von Nordrhein-Westfalen
demnächst zur Beschlussfassung vorliegen wird, steht noch aus.
Ob trotz aller bisherigen Mißerfolge der Politik Wuppertals
es doch noch zu einigen gebietlichen Änderungen zugunsten
Wuppertals etwa im Gebiet Linderhausens kommen wird, ist noch nicht
abzusehen. Die Neuordnung des benachbarten Landkreises
Düsseldorf-Mettmann wird erst viel später in Angriff
genommen werden. Hier sollte sich Wuppertal frühzeitig
einschalten und in nachbarschaftlicher Verbundenheit mit den dortigen
Kommunalpolitikern sprechen. Wuppertal hat auf diesem Gebiet
psychologisch viel versäumt!)
Erholungszentrum am
Böhler Bach
erwünscht
2. Der
Stadtverband begrüßt das Vorhaben, im Tal des
Böhler Baches ein Sport- und Erholungszentrum zu schaffen. Er
bittet Stadtvertretung und Stadtverwaltung, alsbald die erforderlichen
Kosten zu ermitteln, damit ein entsprechender Grund-satzbeschluss
gefasst werden kann. Die berechtigten Interessen anderer Stadtteile
sollen dabei nicht außer acht gelassen werden.
(Hier
sollten auch unsere Bürgervereine nicht müde werden,
die Stadtverordneten anzusprechen und sie zu einem Grundsatzbeschluss
zu veranlassen, dass dieses Zentrum gebaut wird. Wuppertal muss
attraktiver werden! Alles, was der Stadt auf diesem Gebiet nutzt und
was im Endeffekt der Stadt auch Einnahmen wieder gibt, sollte
investiert werden. Das ist die richtige Arbeit für eine
gesunde Zukunft.)
Aktion Museumspfennig
für Neubau des
Von der Heydt-Museums
Die
verschiedenen Appelle an die Bürgerschaft für einen
Museumsneubau durch die von Bürgermeister Dr. Heinz Frowein
zuerst angeregte Museumspfennig-Sammlung und die hinterher vom
Stadtverordneten Adolf Scheu weitergeführte Bausteinaktion hat
zwar keine großen finanziellen, aber doch für eine
solche Sammlung beachtliche Ergebnisse gebracht. Politisch hat die
bürgerschaftliche Initiative, an der auch unser
Bürgerverein aktiv durch Sammlungen mitgewirkt hat, viel
erreicht. Der Stadtrat befasst sich nunmehr ernsthaft mit dem Gedanken
eines Neubaus für das von der Heydt-Museum, für eine
neue Kunsthalle, die modernsten Anforderungen auch zur
Förderung des Gemeinschaftslebens gerecht wird. Wie auf
unserem letzten gut besuchten kommunalpolitischen Aussprache-Abend, auf
dem durch Vermittlung von Dr. Heinz Wolff in Rede und Gegenrede
Beigeordneter Dr. Dr. Revermann die Wuppertaler Kulturpolitik
behandelte, ausgeführt wurde, ist im nächsten Jahr
ein Grundsatzbeschluss zu erwarten, der den Neubau vorsieht und die
Möglichkeit zu einem internationalen Architekten-Wettbewerb
gibt.
Künftiger Standort des
Museums
noch offen
Die
Standortfrage ist noch nicht entschieden. Beigeordneter Dr. Dr.
Revermann bat, sie im Augenblick in der Öffentlichkeit nicht
zu erörtern. Unsere Meinung: Der in die engere Wahl genommene
Standort an der Gesundheitstraße zwischen der Schwimmoper und
der Elberfelder Stadthalle liegt zwar bei uns in der Südstadt,
ist aber bestimmt nicht so günstig wie der Standort an der
Bundesallee neben dem Neubau des Schauspielhauses. Auch die Barmer
Bürger begrüßen diesen Standort. Der Platz
ist für Wuppertaler und Fremde gut zu erreichen, da er zentral
liegt. Die Parkplätze des Schauspielhauses könnten
für die Besucher des neuen Museums mitverwandt werden, da sie
im Augenblick doch eigentlich nur abends in Anspruch genommen werden.
Außerdem wäre der dortige Standort räumlich
größer als der Platz neben der Schwimmoper. Dann
könnte man besser daran denken, nach dem ersten Bauabschnitt
eines Museums auch dort die anderen Museen zusammenzufassen.
Bürgervereine
Zellen demoratischer
Staatlichkeit ?
Der
FDP-Stadtverordnete Karl-Otto Dehnert, der zwischenzeitlich zum
Fraktionsführer der Freien Demokraten im Wuppertaler Stadtrat
aufstieg, da sein Vorgänger sich um die neue
Beigeordneten-Stelle für Wirtschaftsförderung bei der
Stadtverwaltung Wuppertal bewirbt, führte neulich im
Mitteilungsblatt des Nordstädter Bürgervereins Barmen
aus: "Vereine sind Institutionen, an die man manchmal mit leichter
Ironie denkt - daneben steht dann das Wort ,Vereinsmeierei'. Das kommt
wohl daher, dass man - und zum Teil mit Recht - vermutet: Die reden zu
viel und dann auch noch manchmal Unsinn. Nun, das ist nicht nur in
Vereinen so, sondern immer und überall, wo Menschen zusammen
sind, und was wäre wohl, wenn Menschen nicht durch Reden und
Schreiben anderen Menschen vermitteln könnten, woran sie
denken, sich erinnern und wie sie schöpferisch tätig
sein könnten? Und wenn man von ,allzu viel Unsinn reden'
spricht, dann gilt das wohl auch gerade für die, die nur in
Leserbriefen und an Stammtischen meinen, klüger zu sein als
alle anderen - klüger zu sein vor allen Dingen als die, die in
Vereinen, Verbänden, Parteien, Parlamenten mitwirken an der
Gestaltung ihrer Umwelt. Vereine, und vor allen Dingen
Bürgervereine, gehören zu den Zellen demokratischer
Staatlichkeit. Persönlich meine ich, dass jeder
Bürger das Recht hat, in diesem Staat gut leben und arbeiten
zu können, frei denken und sprechen zu können, also
auch ohne Scheu Kritik üben zu können, er hat aber
auch die Pflicht, irgendwo - also außerhalb seines Berufes,
mit dem er Geld verdient -, mitzuarbeiten an der Gestaltung der
Zukunft. Bürgervereine - richtig verstanden - sind ein Mittel
dazu."
Ideen-Wettberb
für Neubau des
Gymnasiums Elberfeld Süd
Für
den Neubau des Gymnasiums Elberfeld-Süd, an dem wir
Südstädter stark interessiert sind, ist eine erste
Vorentscheidung getroffen worden. Aus einem Ideen-Wettbewerb namhafter
Wuppertaler Architekten und auswärtiger Fachleute wurde der
Ideenvorschlag des Düsseldorfer Architekten Lambart dem
Hauptausschuss der Wuppertaler Stadtvertretung zur Weiterverfolgung
empfohlen. Es ist anzunehmen, dass die Lambartsche Idee die Grundlage
für die bauliche Gestaltung des neuen Gymnasiums am Theishahn
werden wird. Ob solche Ideen-Wettbewerbe das richtige Mittel sind, um
die beste Planung zu erreichen, steht auf einem anderen Blatt.
Außerdem darf nicht verschwiegen werden, dass die Auswahl der
dazu zugelassenen Architekten höchst subjektiv ist.
Erwähnt werden muss, dass der Vorschlag des bekannten
Architekten Dipl.-lng. Heinz Kisler aus der Elberfelder
Südstadt, unseres Mitgliedes, zur engsten Wahl stand. An
seinem Vorschlag wurde besonders die ideale Berücksichtigung
der Funktionalität eines solchen koedukativen Gymnasiums
hervorgehoben.
In
der Elberfelder Südstadt wurde die neue Beschilderung der
Straßen schnell und gut durchgeführt. Die
Elektrifizierung der Straßenbeleuchtung macht auch schnelle
Fortschritte. Die Anschlüsse und die neuen Peitschenleuchten
sind fast überall angebracht.
Entscheidung über
Fortbestand der
Straßenbahn
Die
Entscheidung über den Fortbestand der
Straßenbahnlinien 5/25 steht noch aus. Wie wir
hören, wird das Problem noch gutachtlich untersucht. Nach
Angaben des Verkehrsdirektors der Wuppertaler Stadtwerke Dpl.-lng.
Griffel wäre ein Omnibusbetrieb nur halb so teuer. Auch die in
der äußeren Südstadt noch fehlende
Kanalisation verteuerte sich erheblich beim Weiterbestand der
Straßenbahn. Umgekehrt dürfte eine Umschulung des
Personals von der Straßenbahn auf den Omnibus nur
beschränkt möglich sein. Ungeachtet all dieser
Überlegungen wurde an der Augustastraße die
notwendige Gleiserneuerung durchgeführt. Dies dürfte
wohl bedeuten, dass die Straßenbahn noch nicht abgeschrieben
ist.
Denkmal Wanderbursche
in städtische Obhut überführt.
Der
"Wanderbursche" - zweimal von unserem Bürgerverein gestiftet,
in der ersten Fassung in Stein von Bildhauer Koopmann, dann in Bronze
von Bildhauer Schmahl - ist bekanntlich in die Obhut des
städtischen Garten- und Forstamtes übergegangen. Er
hat eine schöne, blumengeschmückte Umgebung erhalten.
Aber das gesamte Amt ist außerstande, die in
regelmäßigen Abständen notwendigen
Reinigungen des Denkmals durchzuführen. Freiwillige haben sich
bereit erklärt, in Selbsthilfe das Denkmal abzuwaschen und vom
Schmutz zu befreien. Diesen Unbekannten sei hiermit herzlichen Dank
gesagt!
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