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Früherer
und neugewählter Oberbürgermeister in der Diskussion
über Fragen der Elberfelder Südstadt
 Hans
Joachim Thias begrüßt die Cäste am Podium (von
rechts): Dr. Hans Kremendahl, Manfred Bube (Moderator), Peter
Jung, Ralph Hagemeyer.
Im Vorfeld
der Kommunalwahlen vom Herbst 2004 hat der Bürgerverein
wieder die beiden aussichtsreichsten Bewerber um das Amt des
Oberbürgermeisters zu einem Podiumsgespräch eingeladen.
Am 14. September 2004 trafen sich Bürgermeister Peter Jung
(CDU) und der amtierende Oberbürgermeister, Dr. Hans
Kremendahl (SPD), im Kirchsaal des Reformierten Gemeindestifts.
Zahlreiche Südstädter waren der Einladung gefolgt.
Fragenkatalog
für die Spitzenpolitiker
Der Vorstand des
Bürgervereins hatte einen Fragekatalog zusammengestellt, den
beide Kontrahenten vorab erhalten hatten. Manfred Bube von der
"Wuppertaler Rundschau" leitete die sehr fair verlaufene
Diskussion. Beide Kandidaten hatten ihren gesamten Wahlkampf
sachlich und ohne persönliche Schärfen geführt.
Kremendahl wurde
1996 zum ersten hauptamtlichen Oberbürgermeister unserer
Stadt gewählt, als die bisherige Doppelspitze von
hauptamtlichem Oberstadtdirektor und ehrenamtlichem
Oberbürgermeister durch die neue Gemeindeordnung zu einer
Stelle vereinigt wurde. Im Herbst 1999 wurde er bei der
Kommunalwahl direkt von der Bevölkerung gewählt. Peter
Jung, sieben Jahre jünger als sein Kontrahent, wurde im Juni
2000 vom Stadtrat zum Ersten Bürgermeister gewählt.
Thema
wirtschaftliche Entwicklung
Wuppertals wirtschaftliche
Entwicklung war natürlich ein Thema, das an vorderster Stelle
angeschnitten wurde. Wuppertal hatte lange Zeit das Problem, für
Firmen, die erweitern wollten, geeignete Grundstücke zur
Verfügung zu stellen. Die Situation habe sich zwar seit 1999
gebessert, erläuterte Peter Jung: "Viele Wuppertaler
Firmen haben sich aber bereits vor Jahren in Haan und im Umland
niedergelassen, als Wuppertal die Flächen nicht anbieten
konnte." Er räumte jedoch auch ein: "Die Stadt kann
nur Rahmenbedingungen für die Wirtschaft schaffen."
Kremendahl hob stärker auf die Gesamtentwicklung ab:
Wuppertal hat seit langem deutliche Probleme in wirtschaftlicher
Hinsicht. So gingen durch den Strukturwandel, zum Beispiel in der
Textilindustrie, in den letzten beiden Jahrzehnten viele
Arbeitsplätze verloren. Viele Fördermittel der
Europäischen Union gelangten zwar ins Ruhrgebiet, aber nicht
nach Wuppertal. Die Stadt habe deshalb zwei langfristige Projekte
schon vor 1999 gestartet und zwar das Gewerbeflächenprogramm
und das Einfamilienhausprogramm, um der Abwanderung
gegenzusteuern. Als positive Beispiele nannte er die jährlich
realisierten 300 Einfamilienhäuser und die Ansiedlung der
Firma Delphi und der Zentrale der Pharmaforschung von Bayer in
Wuppertal.
Auf die Frage, was
die Stadt gegen die Verödung der Innenstädte tun könne,
verwiesen die beiden Kontrahenten auf die Probleme, die aus der
Kaufzurückhaltung der Bevölkerung, aber auch aus der
nicht gerade großen Kaufkraft der zahlreichen Flüchtlinge
und Asylbewerber in unserer Stadt resultieren.
Gegen
Verödung der Innenstadt
Ein Schritt gegen die
Verödung des innerstädtischen Einzelhandels sei vom
Ressort Stadtmarketing mit den Überlegungen zur
Revitalisierung der Schuchardstraße begonnen worden.
Allerdings kann die Stadt, so Kremendahl, die Ansiedlung
bestimmter Einzelhändler in der Innenstadt nur begrenzt
beeinflussen. Als belebendes Element für den Elberfelder
Einzelhandel wurden die City-Arkaden genannt.
Mehr
Bürgernähe gefordert
Beim Stichwort "Bürgernähe"
wurde die Schließung der Einwohnermeldestelle im
Verwaltungshaus Elberfeld angesprochen. Jung und Kremendahl
erinnerten an den Ursprung dieser unpopulären Maßnahme,
die auf einen Vorschlag der Kämmerei zum
Haushaltssicherungskonzept zurückgeht. Die Schließung
habe nur finanzielle Gründe. Jung räumte ein, dass die
Schließung der Meldestelle den Bürgern schwierig zu
vermitteln sei. Er rechnet damit, dass man in ein paar Jahren den
Personalausweis wohl auch von zuhause aus per Internet bestellen
kann. Und Kremendahl ergänzte, dass man die
Personaleinteilung in der vergrößerten Meldestelle in
Barmen verbessert habe, um die Wartezeiten für die Bürger
zu verkürzen.
Gegen
Schließung der Schule Cronenberger Straße
Ein weiteres heißes
Eisen war das Thema Grundschulen, speziell die
Gemeinschaftsgrundschule Cronenberger Straße in der oberen
Südstadt. Beide Diskussionspartner räumten ein, dass man
mit dem im Februar mit breiter Ratsmehrheit beschlossenen
Grundschulentwicklungsplan, der die Schließung der Schule
Cronenberger Straße vorsieht, nicht voll zufrieden ist. Jung
erinnerte an die früher gute Zusammenarbeit der Grundschulen
Cronenberger Straße und Küllenhahner Straße. Und
Kremendahl verwies noch einmal auf seine Anregung vom vorletzten
Winter, beide Schulstandorte unter gemeinsamer Leitung zu führen,
um Kosten zu sparen. Eine solche Lösung sei aber laut Aussage
der Bezirksregierung nur vorübergehend zulässig. Der
Neubau von zwei Klassenräumen am Standort Küllenhahner
Straße soll durch den Verkauf des Schulgebäudes
Cronenberger Straße an Private finanziert werden, Jung
bezweifelte den von der Verwaltung angedachten Verkaufserlös,
zumal sich auf dem Gelände der Schule noch die Station Natur
und Umwelt befindet und das Grundstück von zwei Straßen
umgeben ist: "Das dürfte nicht leicht verkäuflich
sein." Beide Diskutanten äußerten die Absicht,
nach der Kommunalwahl die Sache mit der Schulschließung noch
einmal zu überdenken.
Schmutz
auf den Straßen
Aus dem Publikum wurde u. a.
auch die Frage gestellt, warum in Wuppertal mehr Schmutz auf den
Straßen herumliege als in anderen Städten und der
kommunale Ordnungsdienst nicht mehr durchgreife. Dazu äußerte
Kremendahl: "Die viel geschmähte Verschmutzung
Wuppertals bzw. größere Sauberkeit in anderen Städten
beruht meist auf dem Besuch in kleineren Städten, wo die
soziale Kontrolle noch besser funktioniert und die Leute selbst
ihre Gehwege kehren." Den kommunalen Ordnungsdienst könne
man aus finanziellen Gründen nicht so ausbauen, wie es
erwünscht wäre. An Brennpunkten werde er gemeinsam mit
der Polizei eingesetzt. Kremendahl unterstrich, es gebe einen
Trend in den Medien, schlechte Nachrichten zu präsentieren.
Positiv sei zum Beispiel, dass Wuppertal im Hinblick auf
Kriminalität eine hohe Sicherheit habe. Und er nannte einen
weiteren Pluspunkt für unsere Stadt: "Wuppertal hat ein
vorbildliches Netzwerk von gemeinnütziger und ehrenamtlicher
Tätigkeit im sozialen Bereich!"
Umbau
Döppersberg
Angesprochen wurde auch das
Thema Döppersberg mit dem bevorstehenden Umbau. Dabei wurde
deutlich, dass die vom Land zugesagten Mittel nur für diesen
Umbau des Knotens mit Neubau des Busbahnhofs, der Fußgängerbrücke
usw. ausgegeben werden dürfen. Insoweit können diese
Mittel nicht zur Sanierung von Schulen und Kindergärten usw.
verwendet werden. Wenn der Döppersberg nicht umgebaut wird,
müsste die Stadt ihren Eigenanteil, den sie aus dem Verkauf
von WSW-Anteilen erzielte, zur Schuldentilgung einsetzen.
Kremendahl wies auch auf die positiven Auswirkungen des Projekts
für Arbeitsplätze im Baugewerbe und anderen Branchen
hin. Das "Leuchtturmprojekt" des Döppersbergs fuße
auf einer breiten Mehrheit im Stadtrat. Jung ergänzte: "Ich
bin froh, dass wir eine finanzierbare Lösung gefunden haben.
Der Döppersberg ist zur Zeit in sehr schlechtem Zustand."
Im Laufe des
Abends wurden noch manche anderen Themen gestreift, die aber hier
nicht alle referiert werden sollen.
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