Hugo und Thekla Landé


Hugo Landé 1920

Im Frühjahr 1886 ließ sich Hugo Landé als Rechtsanwalt in Elberfeld nieder. Er stammte aus einer jüdischen Familie und wurde 1859 in der Kleinstadt Ostrowo geboren (im damaligen preußischen Regierungsbezirk Posen gelegen). Er studierte in Berlin, Leipzig, Breslau und Heidelberg Jura - damals war es noch üblich, den Studienort mehrfach zu wechseln -, ehe er sein Referendariat in Neuwied und Frankfurt am Main absolvierte. In Elberfeld richtete der 27-jährige seine Kanzlei in der Zollstraße 5 ein.

Im Jahr darauf heiratete er seine Kusine Thekla Landé, die aus dem Berliner Zweig der Familie stammte. Thekla war fünf Jahre jünger als Hugo. Sie bezogen eine Wohnung in der Herzogstraße 40, nahe der Fouriersgasse.

Elberfeld und Barmen waren schon seit dem Beginn der organisierten Arbeiterbewegung Hochburgen der Sozialdemokratie. Als die Landés nach Elberfeld kamen, wurde diese politische Bewegung von dem 1878 verabschiedeten Sozialistengesetz unterdrückt, das deren Organisationen, Zeitungen und Zeitschriften verboten hatte und erst im Herbst 1890 außer Kraft trat. Noch im Herbst 1889 begann vor dem Landgericht Elberfeld ein großer Prozess gegen 91 Personen aus ganz Deutschland, unter ihnen 5 sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete, wegen illegaler Betätigung für die verbotene Partei. Damals sind wohl Hugo und Thekla Landé in näheren Kontakt zur Arbeiterbewegung gekommen. Als im Frühjahr 1890 der "Volksbildungsverein zu Elberfeld" gegründet wird, der zwar nach außen parteipolitisch neutral auftrat, aber zahlreiche Mitglieder der noch verbotenen Partei hatte, engagierten sich in ihm auch die beiden jungen Eheleute. Das Vereinslokal befand sich im Hombüchel 6-8.
Knapp zwei Jahre später, im Oktober 1891 nahm Hugo Landé als Delegierter am Erfurter Parteitag teil. Er war Mitglied der Programmkommission, die sich mit den verschiedenen Entwürfen für das neue Parteiprogramm befasste. Im Erfurter Programm forderte die Partei u.a. das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht, die volle Verwirklichung der Vereinigungs-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit sowie die Gleichberechtigung der Frauen.
Aber kehren wir zurück nach Elberfeld. Im April 1890 hatte Hugo Landé seine Kanzlei in die Casinogartenstraße 15 a (die heutige Kolpingstraße) verlegt. Und die Familie Landé bezog ein Wohnhaus in der Luisenstraße 85, nahe der Untergrünewalder Straße. Das Ehepaar Landé bekam vier Kinder: Alfred (1888-1975), Charlotte (1890-1977), Franz (1893-1942) und Eva (1901-1977).

Die Landés
engagierten sich im Stadtrat
von Wuppertal

In den 1890er Jahren arbeitete Hugo Landé an der Aufstellung eines Kommunalwahlprogramms mit, das viele sozialpolitische Anliegen enthielt. Das damals in Preußen (bei Landtags- und Kommunalwahlen) geltende Dreiklassenwahlrecht benachteiligte die Sozialdemokraten jedoch besonders stark, weil die Wahlberechtigung an das Steueraufkommen geknüpft war. Und wer gar öffentliche Unterstützung bezog, durfte überhaupt nicht an der Wahl teilnehmen. Erst bei der Kommunalwahl 1909 gelang in Elberfeld der Durchbruch: mit Hugo Landé und Oskar Hoffmann zogen zum ersten Mal Sozialdemokraten in den Stadtrat. Das galt auch für Barmen, während die SPD in den Nachbarstädten Ronsdorf und Cronenberg schon bei den Wahlen von 1904 diese Hürde übersprungen hatte. Thekla Landé engagierte sich im Jahre 1892 in dem in Elberfeld gegründeten "Bildungsverein für Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes" von Anfang an und hielt dort auch Vorträge. Der Verein stand der SPD nahe und wurde, trotz des Außerkrafttretens des Sozialistengesetzes, von der Obrigkeit argwöhnisch beobachtet. Polizeispitzel besuchten die Versammlungen und fertigten Berichte für die Akten an. Thekla trat für die Gleichberechtigung der Frauen ein. Ein besonderes Anliegen war ihr das Schulwesen, das Mädchen damals noch den Zugang zu Abitur und Studium verwehrte. Ab 1905 organisierte Frau Landé Realgymnasialkurse, um Mädchen zum Abitur zu führen. Erst ab 1908 wurden Frauen auch in Preußen zum Studium zugelassen.


Thekla Landé als Stadtverordnete

Thekla Landé kandidierte bei der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung im Januar 1919 für die SPD, scheiterte jedoch knapp bei der Stimmauszählung. Wenige Wochen später wurde sie aber in den Elberfelder Stadtrat gewählt. Unter den 66 Stadtverordneten waren zehn Frauen. 13 Jahre lang war Thekla Landé Stadtverordnete im Elberfelder und schließlich auch Wuppertaler Stadtrat. Die Schwerpunkte ihrer dortigen Arbeit lagen im Wohlfahrtswesen. So setzte sie sich zum Beispiel für die Einrichtung städtischer Kindergärten und Tagesheime ein und forderte Hilfsangebote für ledige Mütter und deren Kinder. Im Februar 1932 legte sie aus gesundheitlichen Gründen ihr Ratsmandat nieder. Am 20. November 1932 starb sie im Alter von 67 Jahren.

Hugo Landé war in der Zeit der Weimarer Republik ebenfalls viele Jahre Stadtverordneter in Elberfeld bzw. Wuppertal. Wenige Wochen nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten flüchtete der 74-jährige vor dem Zugriff von SA-Männern aus seinem Haus. Als Jude und Sozialdemokrat war er von den neuen Machthabern gleich mehrfach bedroht. Hugo Landé gelangte in die Schweiz und wohnte in Montreux. Dort starb er am 14. September 1936.

In einem kürzlich erschienenen Sammelband über die Familie Landé hat Reiner Rhefus die Biografie über den Rechtsanwalt verfasst, während Anna-Maria Reinhold den Lebensweg der Kommunalpolitikerin nachgezeichnet hat. Rhefus und Reinhold haben mit diesen Lebensbeschreibungen und zahlreichen historischen Abbildungen wertvolle Beiträge auch zur Geschichte unserer Stadt verfasst. Das Buch widmet außerdem den vier Kindern eigene Biografien, auf die wir hier nicht einzeln eingehen wollen, zumal deren Tätigkeitsfelder auswärts oder im Ausland lagen. Die beiden Töchter (Kinderärztin bzw. Reformschulpädagogin) und der ältere Sohn (Physiker) gelangten in die USA. Franz, der jüngere Sohn (Musiker) ging ins Exil nach Frankreich. Von dort wurde er in der Zeit der deutschen Besatzung 1942 nach Auschwitz deportiert. In den dortigen Sterbebüchern ist sein Tod am 30. 9. 1942 verzeichnet.

Elke Brychta, Anna-Maria Reinhold, Arno Mersmann (Hrsg.): mutig, streitbar, reformerisch. Die Landés - Sechs Biografien 1859-1977. Klartext-Verlag, Essen 2004, ISBN 3-89861-273-2, 199 Seiten, Preis: 17,90 Euro.

Mehr Informationen :

www.klartext-verlag.de

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