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Unter großer Anteilnahme der Wuppertaler
Bürgerinnen und Bürger sowie Vertretern der Kommune, der Bezirks- und
Bürgervereine, wurde am 18. Juni 2011 das Armenpflegedenkmal auf dem
Elberfelder Kirchplatz nach erfolgter Neugestaltung wieder errichtet
und eingeweiht.
Der engagierte Wuppertaler Mäzen Hans-Joachim
Camphausen, der bereits für die Einweihung der Statue des „Ritters
Arnold" zum 400-jährigen Stadtfest Elberfelds gesorgt hatte, verblüffte
erneut mit seinem Engagement für die Beschaffung von Spendengeldern für
die Neugestaltung des im Jahr 1903 vom Elberfelder Bildhauer Wilhelm
Neumann Torborg ursprünglich geschaffenen Denkmales. Es wurde auch
damals vor der „Alten refomierten Kirche Elberfeld" errichtet und
erinnerte an das 50-jährige Bestehen des „Elberfelder Systems" der
Armenfürsorge und Verwaltung. Man erinnere sich: Durch das rasante
Heranwachsen der Städte Elberfeld und Barmen während der
Industrialisierung zwischen 1820 und 1850, war der Anteil der
Mittellosen in der Bevölkerung extrem hoch, sodass man die Armenpflege
und Betreuung dezentral von freiwillig ehrenamtlich tätigen
Armenpflegern in Person von Kaufleuten, Handwerkern oder Beamten
durchführen ließ. Dieses erfolgreiche kostensparende und
leistungseffiziente System wurde schnell über die Grenzen der Stadt
hinaus publik, auch bald andernorts installiert und über 150 Jahre
erfolgreich eingesetzt. Auf die Verknüpfung aus sozialer Verantwortung
und lokaler Kompetenz der damaligen Systembegründer soll das Denkmal
heute hinweisen.
Auf dem Sockel aus Granit, der die drei
damaligen Initiatoren dieses Sozialsystems (Daniel von der Heydt,
Gustav Schlieper und David Peters) zeigt, speist eine stehende junge
Frau einen vor ihr sitzenden alten Mann und legt ihren Arm als Zeichen
der Barmherzigkeit um ihn. Nachdem das Denkmal nach dem 2. Weltkrieg
verschollen war, wurde der Sockel beim Wiederaufbau entdeckt, erneut
verschüttet, wieder ausgegraben im Jahr 2003 und bis jetzt im Park des
Ref. Gemeindestifts Blankstraße aufbewahrt. Der bewusst auch heute von
Spuren der Beschädigung gezeichnete Sockel und die neue in einer
Düsseldorfer Gießerei nach Originalzeichnungen angefertigte
Bronzestatue, wurden miteinander verbunden und errichtet. 175.000 €
Finanzierung wurden von teils anonymen Spendern und der NRW-Stiftung
aufgebracht. Diese hat der eifrige Aktivist Camphausen akquiriert und
ausschließlich der Errichtung dieses Symboles der Menschlichkeit
zugeführt. Oberbürgermeister Peter Jung lobte in seiner Ansprache nach
einem besinnlichen Minutengottesdienst in der ref. Kirche das erneute
Engagement und den persönlichen Einsatz des Organisators. Dieser selbst
rief alle Besucher weiterhin zum persönlichen und finanziellen
Engagement im Sinne des „Elberfelder Systems" auf und ließ nicht
unerwähnt, dass auch freiwillige Einzelspenden für sein Projekt ohne
Zögern aus finanzschwächeren Haushalten stammten. Denkmäler sollten uns
weiterhin bewusst als Denkanstoß (Denk-mal!) dienen, zum Nachdenken
über die dargestellten Bilder und Situationen anregen und entsprechende
persönliche Aktionen und Handlungen auslösen.
H. S.
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