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Vorwort Sommer 2010

Ralph Hagemeyer

Ralph Hagemeyer
1. Vorsitzender


Liebe Mitglieder,
sehr geehrte Damen und Herren,

auf unserer Jahreshauptversammlung 2010 ist der bisherige 2. Vorsitzende zum neuen Vorsitzenden gewählt worden, der bisherige Beisitzer Jürgen Schröder ist jetzt zweiter Vorsitzender.

Der besonders lange, strenge Winter hat den Einzug des Frühlings auf sich warten lassen, klimatisch. Obwohl es viele nicht mehr hören können: Die hohe Verschuldung von bald 2 Milliarden Euro hat dazu geführt, dass die kommunale Selbstverwaltung hier in weiten Teilen nicht mehr existiert. Die Stadt Wuppertal muss im Rahmen der Haushaltskonsolidierung überall drastisch Ausgabenkürzungen vornehmen, weil sie mit ihren spärlichen eigenen Einnahmen und den ihr vom Land zugewiesenen Steuereinnahmen ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen kann.

Greifen wir uns einmal willkürlich einige Sparpositionen aus dem Haushaltssicherungskonzept heraus, die allein die öffentliche Sicherheit und Ordnung berühren zu können scheinen, werden wir nachdenklich:

Einsparung bei der Lebensmittelüberwachung: jährlich  90.000,- Euro
Einsparung beim Gesundheitsamt: jährlich 200.000,- Euro
Einsparung im Reinigungsbereich: jährlich 100.000,- Euro
Einsparung bei der Straßenbeleuchtung: jährlich 200.000,- Euro
Einsparung bei den Radarwagen: jährlich 300.000,- Euro.


Sollen Hygiene und Gesundheit der Menschen in unserer Stadt nicht mehr Priorität genießen, könnte man sich fragen. Entstehen künftig zusätzliche Unfallgefahren mangels ausreichender Beleuchtung, oder wird hierdurch dem Unwesen von Einbrechern Vorschub geleistet, könnte man weiter fragen. Kann der Autoraserei im Stadtgebiet nicht mehr angemessen entgegengewirkt werden, lautet eine dritte Frage. Dies - und Vieles mehr - scheint auf Dauer zu befürchten zu sein, wenn es nicht gelingt, den Kommunalhaushalt zu stabilisieren und der Stadt Wuppertal die ihr nach der Landesverfassung zustehende Möglichkeit zu geben, durch ausreichende finanzielle Mittelzuweisung und Entlastung von Aufgaben des Bundes sich wieder selbst zu verwalten.

Der Bund hat seit 20 Jahren die vermeintlich reichen Städte im Westen verpflichtet, an die früher sicherlich ärmeren Gemeinden im Osten ständig Beiträge abzuführen, die allein für Wuppertal jedes Jahr zig Millionen, und in 20 Jahren viele hundert Millionen Euro ausgemacht haben. Auch die Belastung durch Sozialhilfe und heutige Hartz IV-Leistungen tragen die Städte und Gemeinden weit über die Zuweisungen hinaus, die der Bund erstattet. Der Bund will dadurch seinen eigenen Haushalt schonen.

Würde es sich hierbei um Zivilrecht handeln, wäre ganz klar, dass diese Auferlegung von Verpflichtungen an jemanden, der an der Entscheidung nicht beteiligt ist, unzulässig ist. Denn ein Vertrag zu Lasten Dritter ist nichtig. Herr Müller kann nicht ernsthaft mit Herrn Schmitz vereinbaren, dass der unbeteiligte Herr Lehmann tausend Euro zahlt. Dass dies die Kommunalpolitik über Jahre und Jahrzehnte mitgemacht hat, ohne verfassungsrechtliche Schritte einzuleiten, dürfte Folge einer gewissen Trägheit der Politik sein, einmal etwas wirklich Neues zu beginnen. Zu hoffen bleibt, dass Landes- und Bundespolitik die Unhaltbarkeit dieser von ihnen verursachten Haushaltswirklichkeit der hierdurch arm gewordenen Westkommunen endlich einsehen, vielleicht gerade nach der jetzigen NRW-Landtagswahl. Erste Ansätze zu einer solchen Einsicht sollen erkennbar sein, sagt man.

Wie eingangs bemerkt: Wir hatten einen langen, strengen Winter, klimatisch. Wirtschaftspolitisch auf unsere Stadt bezogen wird der Einzug des Frühlings noch längere Zeit auf sich warten lassen. Aber er wird kommen! Dann werden auch wieder Blumen gepflanzt!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Ralph Hagemeyer
Vorsitzender des Bürgervereins