
Lewengeschichte
vom Mina Knallenfalls
van am selwer
vertault.
Vor über 130 Jahren
erschien
sie zum ersten Mal: die
"Lewensgeschichte vom Mina Knallenfalls, van am selwer vertault". Das
in Elberfelder Platt verfasste Vers-Epos erschien 1874 beim Born-Verlag
noch ohne Autorenangabe, da es in manchen Formulierungen recht
drastische Worte wählte und man Repressalien der Obrigkeit
wegen "anstößiger Stellen" befürchtete.
Erst bei der siebten Auflage, die im Dezember 1937 in den Buchhandel
kam, wurde Otto Hausmann als Verfasser genannt, obwohl er bereits 1916
verstorben war und das beliebte Buch bereits in den zwanziger Jahren in
fünfter und sechster Auflage erschienen war. In der
Bevölkerung war es auch schon ein offenes Geheimnis, dass es
von dem bekannten Elberfelder Dichter und Schriftsteller stammte. Die
7. Auflage erhielt als Novum Zeichnungen des Wuppertaler
Künstlers Albrecht Kettler (1989-1975). Binnen zwei Wochen
waren bereits 2.000 Exemplare der Neuauflage vergriffen, sodass der
Verlag die gleiche Stückzahl noch einmal auflegte, wie eine
Anzeige im Adressbuch 1938 meldete. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war
das Interesse ungebrochen: 1979 erlebte das Bändchen seine 12.
Auflage.
In jüngerer Zeit, wo viele zugezogenen, aber auch
einheimischen Leser der heutigen Generation in mundartlichen Texten
sich nicht mehr problemlos zurecht finden wie unsere Vorfahren hat nun
Lore Duwe eine Übersetzung ins Hochdeutsche verfasst. In der
kürzlich erschienenen 13. Auflage sind nun beide Versionen in
einem Band vereinigt. Leider hat man die übertragene Fassung
nicht unmittelbar parallel zum Hausmann-Text abgedruckt, weil man dann
die Illustrationen nicht ohne Schwierigkeiten unterbringen konnte. Aber
als Leitfaden sieht der Leser bei der Übersetzung jeweils die
Seitenzahl, wo der Originaltext zu finden ist. So bleibt bei des
Lektüre des Originals und beim zeitgleichen Blick in die
hochdeutsche Übertragung ein gewisses
Hin-und-her-Blättern nicht erspart. So wird Lore Duwes
Lesehilfe diesen "Elberfelder Klassiker" auch einem erweiterten
Leserkreis erschließen. Und heimatkundliche
Bücherfreunde werden im Anhang des Buches auf die Vorworte der
7. bis 12. Auflage stoßen.
Otto
Hausmann, Lewengeschichte vom Mina Knallenfalls van am selwer
vertault. 13. Auflage 2007, Born-Verlag, 142 Seiten, Preis: 12,- Euro.
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Zeitreise
durch Wuppertal
Kindheits- und Jugenderinnerungen
in Buchform erfreuen sich
großer Beliebtheit. Das gilt insbesondere, wenn diese
Veröffentlichungen einen regionalen oder lokalen Schwerpunkt
haben und man sich beim Lesen in diese Jahre zurückversetzen
kann. Der Wartberg Verlag hat dazu bereits eine Vielzahl von reich
illustrierten Bänden aufgelegt.
Im
Jahre 1929 wurde Wuppertal aus Elberfeld und Barmen und weiteren
Gemeinden zur heutigen Großstadt zusammengeschmiedet. Das ist
nun fast 80 Jahre her. Vor zwei Jahren hat der Wuppertaler Journalist
Michael Malicke ein Kaleidoskop von rund 80 Ereignissen aus unserer
Stadt zusammengetragen und in einem handlichen Büchlein mit
vielen Fotos vereint. Dabei hat der Autor sich nun nicht sklavisch an
einen Jahresrhythmus geklammert, sondern bisweilen auch drei oder vier
Ereignisse aus einem Jahr in seine Sammlung aufgenommen und
dafür andere Jahreszahlen übersprungen.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Neben manchen Ereignissen, die zum
Allgemeinwissen der Wuppertaler gehören Tuffis Sprung aus der
Schwebebahn, Bau der A 46 und des Sonnborner Kreuzes usw. - hat Malicke
aber auch so manche Begebenheit "ausgegraben", die vielen
Mitbürgern unbekannt oder längst in Vergessenheit
geraten sein dürfte. So gab es im Herbst 1946, der Krieg war
gerade vor anderthalb Jahren bei uns beendet worden, fast 16.000
Notwohnungen, viele Menschen lebten in fensterlosen Bunkern, zahlreiche
Schulen lagen noch in Schutt und Asche. Nur wenige Jahre
später wurden in der Elberfelder Südstadt die ersten
Hochhäuser unserer Stadt errichtet, für die damaligen
Zeitgenossen eine Sensation! Mit der Stillegung der Bergbahn (1959),
dem Abriss des Thalia-Theaters (1967) oder des Odin-Kinos in Oberbarmen
(1972) schwanden liebgewordene Traditionen, die zugleich
Identifikationspunkte im Stadtbild waren.
Michael
Malicke, Zeitreise durch Wuppertal. Mehr als 80 Ereignisse von
1929 bis 2006. Born-Verlag 2006. 142 Seiten, Preis: 12,80 Euro.
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Wir
Kinder der 60er
& 70er Jahre
Aufgewachsen in Wuppertal
Für Wuppertal hat Michael
Malicke, 1956 in unserer Stadt
geboren, einen anregend geschriebenen Band beigesteuert, in dem er die
sechziger und siebziger Jahre Revue passieren lässt.
Kindergarten und erster Schultag, Spiele und der allmählich
beginnende Ernst des Lebens prägten die frühen Jahre.
Ausflüge in den Zoo und in die bergische Heimat, Kinobesuche
und Jugendfreizeiten, Sport, Musik und Kirmes -viele Erinnerungen
werden wieder wach. Auch die Zeiten, als in Wuppertal noch die
Straßenbahnen auf der Talsohle und in vielen
Außenbezirken verkehrten, werden auf Fotos wieder lebendig.
Aus den Jahren gemeinsamer Schulzeit, der Ausbildung und des
Erwachsenwerdens gibt es mancherlei Heiteres, was die Erinnerungen
bisweilen ein wenig verklärt. Aber auch die Sorgen und
Nöte jener Jahre, als Deutschland geteilt war und quer durch
Berlin Mauer und Stacheldraht die Menschen voneinander trennte, werden
nicht ausgeblendet. Auf einigen Seiten sind in einer Chronik wichtige
Ereignisse aufgelistet, die in den sechziger und siebziger Jahren das
Geschehen in Wuppertal, im Umland oder auf der großen
Weltbühne beeinflussten. Unserem großen
Mitbürger Johannes Rau, dem Wuppertal viel zu verdanken hat,
wurde ja ein guter
Draht zum lieben Gott nachgesagt. Dass Rau aber, nach der Kommunalwahl
im November 1969, just am Heiligabend zum Oberbürgermeister
unserer Stadt gewählt wurde - so ein Datum in der "Chronik" -,
das dürfte wohl doch eher eine Legende sein, bei der wohl der
Druckfehlerteufel seine Hand im Spiel hatte...
Michael
Malicke, Wir Kinder der 60er & 70er Jahre.
Aufgewachsen
in Wuppertal. Wartberg Verlag 2007, 62 S., Preis: 12,90 Euro.
Atlas
der
christlichen Glaubensgemeinschaften in
Wuppertal.
Ein Projekt der Bergischen Universität
Wuppertal
weist traditionell eine auffallend große Vielfalt
an religiösen Gemeinschaften auf. Man hat die Stadt bisweilen
schon als Mekka der Freikirchen und Sekten bezeichnet. Seit der
Reformation befand sich die traditionelle katholische Kirche im
hiesigen Raum in der Minderheitenposition. Dominierend waren lange Zeit
die reformierten Gemeinden, ehe die Lutheraner hinzukamen. Im 19.
Jahrhunderten entstanden neue Gemeinschaften, teilweise durch
Abspaltungen von den traditionellen Gemeinden.
In einem Projekt der Bergischen Universität Wuppertal wurden
die christlichen Glaubensgemeinschaften in jüngster Zeit
übersichtlich vorgestellt. Berücksichtigt wurden
hierbei alle diejenigen Gemeinden bzw. Gemeinschaften, die sich in
Wuppertal zu regelmäßigen Gottesdiensten treffen.
Die Darstellung folgt einem fünfteiligen Schema.
Zunächst werden die prägenden Kennzeichen einer
Glaubensgruppe kurz vorgestellt. Im zweiten Teil folgt die
Entstehungsgeschichte, wobei dem Werdegang in Wuppertal im dritten
Abschnitt die besondere Beachtung gilt. In einem vierten Teil werden
Glauben und Leben der jeweiligen Gemeinschaft vertiefend behandelt. In
einem letzten Abschnitt finden sich Angaben zu Organisation und
Statistik. Mit diesem Gliederungsmuster kann sich der Leser ein
anschauliches Bild der einzelnen Gruppen verschaffen und
Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen.
Neben der römisch-katholischen Kirche gibt es in Wuppertal
Gemeinden der griechisch-orthodoxen, der russisch-orthodoxen und der
serbisch-orthodoxen Kirche. Und neben der evangelischen Kirche, die im
Kirchenkreis Wuppertal ihre Dachorganisation hat, haben sich ihr nahe
stehende Gemeinschaften und Freikirchen angesiedelt, deren
Ursprünge meist im 19. Jahrhundert liegen und die sich nicht
selten aus der Erweckungsbewegung ableiten lassen.
Andere christliche Gemeinschaften kamen aus dem anglo-amerikanischen
Raum nach Deutschland und fassten auch in Wuppertal Fuß. Sie
werden von den traditionellen Kirchen meist als Sekten betrachtet.
Allerdings ist diese Einstufung auch polemisch belastet.
Außerdem gibt es die erst im 20. Jahrhundert entstandenen
Pfingstkirchen, die auch mit mehreren unterschiedlichen Gemeinden in
Wuppertal aktiv sind.
Und schließlich haben sich in Wuppertal auch über
zehn fremdsprachige Gemeinden angesiedelt, in denen sich zumeist
Angehörige einzelner Nationalitäten treffen. Weitere
Kapitel des Uni-Projekts behandeln nicht mehr bestehende Gemeinden, vor
allem aber auch Überblicksdarstellungen zu Themenkreisen wie
"Orden und Klöster" oder "Reformiert,
Lutherisch, Uniert".
Das Ergebnis des Uni-Projekts ist ein recht nützlicher
Wegweiser durch die für Außenstehende oft recht
schwer zu überschauenden Verästelungen christlicher
Vielfalt in unserer Stadt.
Ulrich
T. Christenn, Atlas der christlichen Glaubensgemeinschaften in
Wuppertal. Ein Projekt der Bergischen Universität Wuppertal.
Born-Verlag 2007, 190 Seiten, Preis: 14,90 Euro.
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Der
Elberfelder
Westen
Dem Stadtbezirk Elberfeld-West,
der sich westlich von
Tannenbergstraße und Briller Straße bis nach
Sonnborn erstreckt, hat Herbert Günther einen neuen Bildband
gewidmet. Sonnborn wurde Anfang der 1970er Jahre vom Bau der Autobahn
stark mitgenommen, das Sonnborner Kreuz forderte seinen Tribut. Die
Hauptgeschäftsstraße, unter der Schwebebahn
verlaufend, wurde in Richtung Vohwinkel zur Sackgasse. Die alte
katholische Kirche wurde dem vielspurigen Autobahnknoten geopfert.
Schon zuvor waren im Sonnborner Ortskern, den die Bomben des Zweiten
Weltkriegs verschont hatten, allerhand Fachwerkhäuser
abgerissen worden, die den einst fast dörflich wirkenden
Stadtteil erheblich veränderten.
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Beim Bau des Sonnborner
Kreuzes wurde der
Stadtteil mit einer riesigen
Verkehrsschneise zerschnitten. In der Bildmitte hinten ragt noch der
Backsteinturm der zum Abriss bestimmten katholischen Kirche
über das Schwebebahngerüsts, dessen Tragekonstruktion
im Bereich der Autobahnspuren neu aufgeständert und insgesamt
angehoben wurde
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1968 ereignete sich in Sonnborn
ein schweres Schwebebahnunglück, bei dem eine rund 30 m
lange Brücke der Tragekonstruktion abstürzte. Zum
Glück kamen damals keine Personen zu Schaden. Gleich nebenan
im Stadion erlebten die Wuppertaler noch in den sechziger Jahren
spektakuläre Großveranstaltungen wie die
Polizeisportschau im Stadion, bei denen auch noch die Radrennbahn
benutzt wurde. Das alles ist nun lange vorbei und längst
Geschichte geworden. Auch die Eröffnung des Kiesbergtunnels
war schon im Jahre 1970.
Mit interessanten historischen Fotos lässt Herbert
Günther die alten Zeiten wieder aufleben. Ein weiteres Kapitel
des Bildbands stellt die Varresbeck vor, die noch lange wie ein
ländlicher Vorort wirkte, der ab den
1920er Jahren allmählich mit Siedlungshäusern
erschlossen wurde. Auf der Talsohle gab es aber mit dem stark
expandierenden Bayerwerk schon früh einen industriellen
Komplex. Weiter stadtauswärts gingen die Uhren noch anders.
Das wird besonders anschaulich an den Fotos vom Varresbecker Hof, einem
der ältesten größeren Höfe im
Stadtgebiet, der an der Straßenkreuzung von
Nützenberger Straße und Otto-Hausmann-Ring stand,
wo heute das Novotel steht. Dank der Initiative einer
Düsseldorfer Ärztin konnte das um 1600 erbaute
Fachwerkhaus fachgerecht abgetragen, leider aber erst Jahrzehnte
später in Gut Hungenbach bei Kürten wiederaufgebaut
werden. Von der Arbeit auf dem alten Hof, der einst als
Molkerei und Sauerkrautfabrik genutzt wurde, berichten eindrucksvolle
Fotos. Der wiederauferstandene Varresbecker Hof ist zwar nicht mehr wie
ehedem mit Schiefer verkleidet, aber auch Fachwerkhäuser
wechseln im Laufe ihres Lebens bisweilen ihr Fassadenkleid.
Gastwirt
Fritz Römer am Tresen seiner Kneipe. Auf der Theke
befand sich eine dekorative Zapfanlage mit Porzellanfassung. An den
Wänden hingen ausgestopfte Vögel in
Glaskästen. Das alles ist mit ins Freilichtmuseum nach Lindlar
gewandert.
Auch das Fachwerkhaus mit der
Gaststätte "Fritz
Römer", das einst nahe dem Sandfeld an der
Düsseldorfer Straße kurz vor Wieden stand, erlebte
vor zehn Jahren einen Ortswechsel. Das 1875 errichtete Gebäude
wurde Stück für Stück zerlegt und im
Bergischen Freilichtmuseum in Lindlar wiederaufgebaut, samt dem urigen
Inventar und den mit speckiger Patina bedeckten Innenwänden
der Kneipe, die der Wirt seit Ewigkeiten nicht neu tapeziert oder
gestrichen hatte. Für die Authentizität eines
Museumsdorfes
ist das natürlich ein seltener Glücksfall
Weniger gut erging es dem Eskesberger Hof, einem alten Bauernhof, der
- ebenso wie der Varresbecker Hof - auch schon vor dem
Dreißigjährigen Krieg entstanden war. Als der Hof
länger unbewohnt war, verfiel er zusehends und wurde im Herbst
1981 abgerissen. Heute erinnert an ihn ein gleichnamiges Tagungshotel
am Eskesberg, dessen Hang mit Wohngebäuden beiderseits der
Krummacherstraße bebaut wurde. Die einstigen
Kalksteinbrüche waren als Mülldeponien
verfüllt worden, nur ein Kalktrichterofen erinnert noch an die
Zeiten der Kalkgewinnung. In zwei weiteren Kapiteln trug Herbert
Günther interessantes Bildmaterial vom Nützenberg und
dem Quartier am Arrenberg zusammen, wo seit 1863 sich das dortige
Klinikum als städtische Krankenanstalt
breit machte.
Der in der Reihe Archivbilder des Sutton-Verlags erschienene Band
bietet manche nostalgischen Erinnerungen, aber auch wertvolle
Mosaikstein zum Werden und Wachsen unserer Heimatstadt
Herbert
Günther: Der Elberfelder Westen. Sutton-Verlag, Erfurt
2007, ISBN 978-3-86680-095-3, 127 S., Preis: 1 7,90 Euro.
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