Station Natur und Umwelt

Die Wuppertaler Station Natur und Umwelt erfüllt seit 1984 eine wichtige Aufgabe: Getreu ihrem Motto "Natur erfassen, Natur zum Anfassen" führt sie kleine und große Besucher an die Natur heran, gibt Raum zum experimentieren, Entdecken und Beobachten - ganz in Ruhe und unter fachkundiger Anleitung.

Die bisherigen Räume in Leichtbauten neben der Grundschule Cronenberger Straße platzen mittlerweile aus allen Nähten. Außerdem sind die Tage der "gelben" Grundschule am Hahnerberg bekanntlich gezählt, da sie geschlossen wird und das Grundstück verkauft werden soll. Auch deshalb war es sinnvoll, für die Station Natur und Umwelt einen neuen Standort zu suchen. Gefunden wurde ein passendes Grundstück direkt am bisherigen Naturlehrgebiet. Die noch bestehende Trennung von Stationsräumen und Stationsgelände durch die Jägerhofstraße ist also bald Vergangenheit.

Wie die Zukunft aussehen kann, zeigt ein Entwurf des Architekturbüros Kaufmann und Schacht. Die beiden Architekten haben ein Gebäude geplant, das sich hervorragend mit der Natur und der Umwelt verträgt. Auf einer freien Anhöhe gelegen gewährt es den Blick über das Gelpetal in die Ferne. Ein markanter Turm, der etwa 15 m hohe "SkulpTurm" mit einem Rotationsobjekt obenauf, grüßt schon von weitem.


Neubau für die Station Natur und Umwelt


Das Modell zeigt den Neubau von der Jägerhofstraße aus. Neben dem Skulpturm ist der Eingangsbereich. Das zweigeschossige Hauptgebäude wird um 20 Grad nach Süden hin gedreht.

Das rotierende, windbetriebene Objekt dient der Energiegewinnung. Der Turm wird eine anschauliche Wetterstation sowie ein riesiges Periskop beherbergen, das einen weiten Blick über das Naturlehrgebiet und das Gelpetal ermöglicht. Der Turm bildet auch die Verbindung von drei Gebäudeteilen der neuen Station: den Eingang, das Hauptgebäude mit seinen Veranstaltungs- und Nebennutzräumen im Erdgeschoss und die obere Etage, in der sich Büro- und Besprechungsräume befinden. Außerdem schlagen die Planer einen Aufzug vor, damit man auch das Obergeschoss barrierefrei erreichen kann.

Die Station öffnet sich mit ihrem eingeschossigen, gläsernen Windfang zur Jägerhofstraße - und damit zur Stadt -und lädt zum Betreten ein. Das Hauptgebäude ist um 20 Grad in Richtung Süd gedreht und passt sich wie selbstverständlich in die Landschaft ein. Zum Tal hin öffnet sich das Haus mit einer breiten Glasfront samt vorgelagerter Terrasse und bereitet so den Weg in die Natur.

Die drei unterschiedlich großen Veranstaltungsräume liegen an der Südostseite des Gebäudes. Sie sind durch Faltwände voneinander getrennt, können also bei Bedarf zu einem über 200 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal vereint werden. Die großen Glasflächen dieser Räume bieten eine weiten Blick ins Gelpetal. Zugleich dienen sie in der kälteren Jahreszeit der passiven Wärmeenergie-Gewinnung, während man im Sommer die Glasflächen öffnen oder auch mit Lamellentüren verschalten kann.

Ansicht von Südwesten mit der verglasten Front der drei Veranstaltungsräume. Über die mit Natursteinmauern umgebene Terrasse gelangt man direkt vom Gelände in die Haupt-Veranstaltungsräume.

Vorgelagert ist den drei Räumen die Terrasse, die mit Natursteinmauern eingefasst wird. Auf der Terrasse wird ein ausklappbarer Solarkocher Platz finden, mit dem man anschaulich zeigen kann, wie sich aus der Sonnenstrahlung Energie gewinnen lässt. Vor das Südwestfenster wird ein Wintergarten gebaut, in dem Kräuter gezüchtet werden sollen. An mehreren Stellen des Gebäudes werden Sonnenkollektoren angebracht, die Dachfläche wird extensiv begrünt. Überschüssiges Regenwasser wird vom Dach in einer Zisterne gesammelt, aus der es als Brauchwasser in Haus und Garten Verwendung findet.

Eine effiziente Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wird im Winter die Energieverluste auf einem Minimum reduzieren, so


Wärmerückgewinnung

ist dann nur noch ein minimaler Einsatz von zusätzlicher Heizwärme erforderlich. Hierzu wird Erdwärme genutzt, die einerseits die einströmende Luft vortemperiert , andererseits eine Heizungsanlage in der massiven Bodenplatte erwärmt. Im Sommer wird das Prinzip umgedreht -die Leitungen im Boden übernehmen dann die Kühlung des Hauses. Die kontrollierte Lüftung hat auch die Aufgaben, die Wärme der verbrauchten Luft über Wärmetauscher erneut nutzbar zu machen und die Raumluft stetig auszutauschen. Die Luftqualität wird den Besuchern über eine Ampelanlage bewusst gemacht.

Als Baumaterial für den Neubau wird in der Hauptsache Holz eingesetzt werden. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der nicht aus größerer


Baumaterial Holz

Entfernung herbeigeschafft werden muss. Außerdem bietet Holz günstige Materialeigenschaften, insbesondere geringes Gewicht, gute Tragkraft und Wärmedämmung. Der Neubau ist als "Sinnergie-Haus" konzipiert, für dessen Materialien möglichst wenig Primärenergie und Rohstoffe verbraucht werden sollen. Der Innenausbau stützt sich vor allem auf Lehm und Holz.

Eine erste große finanzielle Hürde auf dem Weg zum Neubau wurde Ende September 2006 von den Einkaufsbüros Deutscher Eisenhändler (kurz


Weitere Spenden nötig

E/D/E) genommen, die für den Neubau der Station eine Million Euro zur Verfügung stellen. Weitere Spenden haben die Gesamtsumme mittlerweile auf 1,5 Millionen Euro anwachsen lassen. Um die vorliegenden Architektenpläne verwirklichen zu können, wird aber noch weiteres Geld benötigt. Trotzdem ist der Förderverein der Station Natur und Umwelt e. V. zuversichtlich, schon bald mit dem Bau beginnen zu können., Schließlich ist der Neubau ein gutes Beispiel für ökologisches Bauen. Bauherren können sich also viele Anregungen holen und in den eigenen vier Wänden umsetzen. Gerade in Zeiten wachsender Klimaprobleme und mit dem damit steigenden ökologischen Bewusstsein setzt die neue Station Natur und Umwelt Maßstäbe.

Mehr Informationen:

Webseite der Station Natur und Umwelt:  http://www.stnu.de/

Berichte in früheren Heften der Vereinszeitschrift: