Halbtagsausflug im Herbst 2005
Das Wasserschloss Werdringen

Unser Halbtagsausflug im Herbst 2005 hatte ein, zumindest für uns Wuppertaler, bis dahin eher unbekanntes Ziel. Am 9. Oktober fuhren wir nach Hagen-Vorhalle zum Wasserschloss Werdringen. Es liegt in einer Flussschleife der Ruhr, die man hier 1930 aufgestaut hat, um den Harkortsee zu schaffen. Der Stausee ist etwa 3 km lang und bis zu 600 m breit.

Diese Wasserburg wurde im Wesentlichen schon im 13. Jahrhundert angelegt. Sie war ein riesiger Herrensitz, der im Jahre 1332 in einem Dokument des Stiftes Essen als "Hof to (also: zu) Werdrynck" erstmals urkundlich genannt wird, und zu dem eine Zugbrücke, flankierende Wehrtürme und eine Kapelle gehörten. Für das 15. Jahrhundert sind zwei Steinhäuser belegt.

Etliche Generationen später zeigten sich deutliche Schäden am alten Gemäuer. Schon um 1800 wurden wesentliche Instandsetzungsmaßnahmen vollzogen. Einige Gebäudeteile wurden bis auf die Grundmauern abgetragen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entschlossen sich die Besitzer zu umfangreichen Baumaßnahmen, die um 1855 erfolgten. Das Herrenhaus und die Brücke wurden im neugotischen Stil restauriert. Die Bauten passten sich der landschaftlichen Romantik an, die man noch heute an den Wassergräben und den mit Efeu bewachsenen Mauern sowie dem großen Park mit seinen alten Bäumen erleben kann.

Blick von der Eingangsbrücke
Blick von der Schlossbrücke auf das Haupthaus (links) und das Museum

Wohl wegen finanzieller Probleme musste die Familie von der Recke, die 500 (!) Jahre im Besitz der Lehnskammer Volmarstein war und zu der auch Werdringen gehörte, 1927 das Gut an die Familie des Bauunternehmers Niebur verkaufen. Niebur hat die Staumauer für den Harkortsee gebaut. Allerdings hat die Wasserburg seiner Familie wohl doch nicht als Wohnsitz gefallen. Schon sieben Jahre später wird die Anlage von der Gemeinnützigen Heimstätten-Spar- und Bau AG. erworben.

1937 zog eine Familie ein, die auch das dazugehörige Land bewirtschaftete. Aber die Rahmenbedingungen waren schlecht. So gab es zum Beispiel noch keine Wasserleitungen im Haus. Der Brunnen lag im Schlosshof. Auch der bauliche Unterhalt bereitete große Sorge. So lösten sich immer wieder mal schwere Sandsteinplatten, mit denen das Dach der Stallscheune innerhalb der Gräfte (Wassergraben) eingedeckt war, und stürzten auf den Hof. Diese Steinplatten waren einst mit dicken Nägeln auf den Dachbalken befestigt worden. Aber die Nägel rosteten still vor sich hin und verloren allmählich ihre Haltbarkeit. Die Besitzer gaben die Landwirtschaft auf, wohnten aber noch bis 1977 in dem Schloss, das damals von der Stadt Hagen gekauft wurde.


Wasserschloss
Schloss Werdringen ist von einem romantischen Teich umgeben

Anfangs ließ die Stadtverwaltung noch alle Gebäudeteile beheizen, um einem Verfall vorzubeugen. Aber aus Kostengründen drehte man die damalige Ölheizung dann doch ab. Nun war das alte Gemäuer dem schleichenden Verfall ausgeliefert, zumal das etwas abgelegene Schloss ungebetene Besucher anlockte, die eine wertvolle handwerklich gefertigte Haustür und im Hausflur sogar alte Treppenstufen stahlen. Deshalb ließ die Verwaltung die Fenster und die fehlende Haustür mit Brettern zunageln. Damit wurden zwar Einbrecher abgeschreckt, aber die Luft in den Schlossräumen war nach und nach derart mit Feuchtigkeit gesättigt, dass alles durchfeuchtet wurde. In den Etagenbalken nisteten sich Fäulnis und Ungeziefer ein. Nun war der Bau massiv gefährdet.

1986 fanden sich Vorhaller Bürger zusammen und gründeten einen Verein mit dem Ziel, die Restaurierung des Schlosses zu betreiben. Schon im Jahr darauf feierte man ein "Erweckungsfest" im Schlosshof, konnte aber die Gebäude wegen der Bauschäden aus Sicherheitsgründen nicht betreten. So erläuterte man mit Schautafeln und Grundrissen die Räumlichkeiten. Nach vielen Anläufen, auch gegen manche Widerstände im Hagener Rathaus, gelang es schließlich, den damaligen Städtebauminister Zöpel von dem Vorhaben zu überzeugen, Schloss Werdringen zu restaurieren und die dafür nötigen Fördermittel bereitzustellen.

Nun standen umfangreiche Untersuchungen der Baulichkeiten auf der Tagesordnung, ehe die Handwerker mit der denkmalgerechten Instandsetzung beginnen konnten. So erwiesen sich zum Beispiel die dicken Grundmauern als nur noch wenig tragfähig. Sie waren, wie früher üblich, aus einer äußeren Schale aus größerem Bruchsteinmauerwerk und einer inneren aus kleineren Steinen gebaut worden. Zwischen den beiden Schalen fand man Steinreste, Mörtel und sogar Hohlräume. An vielen Stellen war der Verbund zwischen beiden Schalen äußerst mangelhaft. Um die Tragfähigkeit der Grundmauern zu garantieren, nahm man eine Vernagelung vor. Dabei wurden in regelmäßigen Abständen Stahlstangen in die Mauern eingebaut, die die äußere und innere Schale zugfest miteinander verbinden.

Auch die Untersuchung der alten Eichenhölzer, aus denen die Deckenbalken und Dachstühle konstruiert waren, zeigten viele Schäden auf. So mussten viele marode Teile gegen neue ausgewechselt werden. Dabei sollte im Sinne des Denkmalschutzes möglichst viel Originalsubstanz erhalten bleiben. Aber mit viel handwerklichem Geschick hat man die Anforderungen gemeistert.

Die Versorgungsleitungen für Wasser, Gas und Strom sowie Telefon usw. wurden vollständig erneuert, ebenso die Abwasserrohre.

Wasserschloss
Gruppenbild vor dem Museum.


Im Frühjahr 1995 wurden dem Schlossverein die Schlüssel für das wiedererstandene Wasserschloss überreicht. Seither können hier Räume für kulturelle Veranstaltungen, familiäre und andere Feiern usw. im Haupthaus und seinem Anbau gemietet werden. Dazu stehen zwei große sowie drei kleine Veranstaltungsräume zur Verfügung. Außerdem befinden sich hier drei Wohnungen.

Im Herbst 2004 wurde schließlich in dem großen Wirtschaftsgebäude auf der anderen Seite des Schlosshofes das Museum für Ur- und Frühgeschichte der Stadt Hagen eröffnet. Dazu hat man das alte Gebäude mit seinen Bruchsteinmauern völlig entkernt und eine frei stehende stählerne Konstruktion mit mehreren Ausstellungsebenen hineingesetzt.

Hier erlebten wir im Rahmen einer sehr anschaulichen Führung einen Rundgang durch 450 Millionen Jahre Erdgeschichte, als hierzulande noch völlig andere klimatische Verhältnisse herrschten. So schwirrten zu der Zeit, als diese Gegend noch am Äquator lag, riesige Libellen durch die Lüfte. Das war vor rund 320 Millionen Jahren. Aus jener Urzeit fand man Versteinerungen solcher Libellen mit einer Flügelspannweite von 32 cm im Steinbruch in Hagen-Vorhalle. Von den weiteren eindrucksvollen Zeugen aus längst vergangenen Zeiten sahen wir einen Dinosaurier. Es war ein originalgetreu rekonstruiertes Baby dieser Pflanzenfresser, immerhin 2,50 m lang.

Mammut

Das Mammut hat Stoßzähne wie Schaufeln

Noch viel größer ist das Mammut, das mehr als 6 m lang und knapp 4 m hoch ist. Es handelt sich um eine aus-gestorbene Elefantenart. Dank ihrer kräftigen Behaarung konnten diese großen Tiere sehr kaltes Klima ertragen. Es war ein bevorzugtes Jagdwild in der Altsteinzeit. Die Menschen benutzten seine Knochen und Stoßzähne als Werk- und Baustoff. In dauerhaft vereisten Böden Sibiriens hat man vollständig erhaltene Kadaver gefunden, in Deutschland nur Knochen und Skelette. Das Mammut ernährte sich von Steppenkräutern und Gras. Als sich das Klima veränderte, wärmer und feuchter wurde, starben die Mammuts aus. Neben solchen großen Objekten sahen wir in den Vitrinen natürlich auch viele kleinere Exponate, etwa Werkzeuge und Waffen, wie sie von den Neandertalern auch in Südwestfalen benutzt wurden, zum Beispiel Faustkeile. Das Anfertigen solcher Steinwerkzeuge war recht mühselig und erforderte viel Zeit. Im Museum hat man einige alte Geräte nachgebaut, an denen die Besucher das selber ausprobieren können, etwa an einem Bohrer, der mit einem Ledergurt schnell gedreht wird.

Dinosaurier

Das Dinosaurierbaby (Nachbildung)

Ein großer Fortschritt trat ein, als die Menschen entdeckten, dass man Kupfer und Zinn zu Bronze legieren konnte. Damit besaß man einen Werkstoff, aus dem man Werkzeuge, Waffen, viele andere Gebrauchsgegenstände und Schmuck herstellen konnte. So sahen wir zum Beispiel Bronzeschwerter, die ganz in der Nähe von Schloss Werdringen am Kaisberg ausgegraben wurden.

Auf die Bronzezeit folgte die Eisenzeit, in der man dieses härtere Metall verarbeiten konnte. Auch aus dieser Epoche wurde manches Fundstück in Schloss Werdringen gezeigt. Und sogar aus der Zeit des Römischen Reiches und des frühen Mittelalters gab es manches zu sehen, zum Beispiel Münzen und keramische Gegenstände, die durch Handelsbeziehungen zu den damaligen Bewohnern des Hagener Raumes gelangten.

Nach dem Besuch im Museum trafen wir uns bei Kaffee und Kuchen im Schloss-Cafe. Und dann nutzten wir noch die Zeit für einen Spaziergang durch die Umgebung des Wasserschlosses mit den schönen alten Bäumen.

Mehr Informationen:

http://www.schloss-werdringen.de/


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