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Bericht von der Jahreshauptversammlung 2006
Am
25. April 2006 traf sich der Bürgerverein zur
Jahreshauptversammlung, die wie üblich im Kirchsaal des
Reformierten Gemeindestifts stattfand. Nach der
Begrüßung und den einleitenden Regularien verlas
Hans Joachim Thias die Namen der seit der vorigen JHV verstorbenen
Mitglieder. Hierzu erhoben sich die Anwesenden von ihren
Plätzen und ehrten die Toten mit einer Schweigeminute.
Im
Rechenschaftsbericht erinnerte der Vorsitzende an die
Aktivitäten des Bürgervereins: Man besuchte den
Bismarckturm auf der Hardt, traf sich zweimal im Von der Heydt-Museum
zu Sonderausstellungen und erlebte in Barmen eine Führung
durch das Museum für Frühindustrialisierung. Die
Halbtagsfahrt führte zum Wasserschloss Werdringen in Hagen.
Die Mehrtagesfahrt hatte Nürnberg als Ziel. Außerdem
gab es wieder einen Theaterbesuch auf Schloss Burg und im November das
beliebte Martinsgans-Essen. Und dann traf sich der Vorstand zehnmal zu
seinen Sitzungen. Ausdrücklich dankte Herr Thias auch unserem
Mitglied Gerold Geist, der die Internetseite des Bürgervereins
betreut.
Schatzmeisterin
Brigitte Hagemeyer verlas den Kassenbericht, aus sich dem wieder ein
Kassenüberschuss ergab. Auf die Mitgliederanregung "diesen
für besondere Ideen zu nutzen", verwies Herr Thias auf das im
Jahr 2007 bevorstehende hundertjährige Jubiläum des
Vereins, das sicher mit besonderen finanziellen Kraftanstrengungen
verbunden sei.
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Die Mitglieder hören den Bericht der Kassenprüfung,
den Gerold Geist vorträgt.
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Kassenprüfer
Gerold Geist berichtete, dass die Prüfung keinerlei offene
Fragen ergeben hat: Buchführung und Belegnachweise waren
lückenlos und vorbildlich nachvollziehbar.
Nach
der einstimmigen Entlastung des Vorstands, bei Enthaltung der
Betroffenen, fanden die Wahlen zum Vorstand statt.
Satzungsgemäß wird jährlich die
Hälfte der Vorstandsmitglieder gewählt. In diesem
Jahr standen wieder die drei stellvertretenden Vorstandsposten und drei
Beisitzer zur Wahl. Die bisherigen Amtsinhaber stellten sich zur
Wiederwahl.
Der
zweite Vorsitzende, Ralph Hagemeyer wurde einstimmig (bei eigener
Enthaltung) gewählt. Hans-Jürgen Vitenius, zweiter
Schriftführer, wurde ebenfalls in seinem Amt
bestätigt (bei einer Gegenstimme). Und Ottfried Schulze, der
zweite Kassierer, wurde einstimmig gewählt. Als Beisitzer
wurden Karl Brandau, Jürgen Schröder und Peter
Trabitzsch ebenfalls wiedergewählt (die beiden letzteren mit
je einer Gegenstimme).
Zu
Kassenprüfern wurden Gerold Geist und Berthold Gottschalk
gewählt.
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| Nach der
Wiederwahl: Karl Brandau, Ottfried Schulze, Peter Trabitzsch, Hans
Jürgen Vitenius, Jürgen Schröder und Ralph
Hagemeyer (rechts).
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Nach einer Pause mit
kleinem Imbiss begrüßte Vorsitzender Thias die
beiden Gastreferentinnen dieses Abends, die Historikerin Elke Brychta
und die Biogra-fieforscherin Anna-Maria Reinhold. Beide Frauen befassen
sich mit Themen zur Frauen- und Geschlechtergeschichte. Sie sprachen
zum Thema "Mina Knallenfalls - ein Denkmal wird lebendig".
Elke Brychta, Hans Joachim
Thias und Anna-Maria Reinhold (rechts).
Der Elberfelder
Schriftsteller Otto Hausmann (1837 -1916) verfasste um 1870 die
"Lewensgeschichte vam Mina Knallenfalls van äm selwer
vertault". In teilweise drastischen Worten werden die armseligen
Umstände, unter denen Mina aufwuchs, beschrieben. Das in
Versen in Elberfelder Mundart geschriebene Werk wurde wenige Jahre
später erstmals als Buch verlegt, aber der Name des Autors
blieb ungenannt. Manche Zeitgenossen empfanden den Text als
anstößig, wenngleich das Buch sich gut verkaufte.
Polizei und Staatsanwaltschaft wurden aktiv und beschlagnahmten die
gedruckten Exemplare, soweit sie noch nicht verkauft waren. Erst nach
mehreren Jahren wurde das Verbot aufgehoben.
In
den folgenden Jahrzehnten wurde das Büchlein mehrmals neu
aufgelegt, ohne jedoch Otto Hausmann zu nennen. Offenbar hat sich der
Verfasser zeit seines Lebens nie offiziell zu diesem Werk bekannt,
obwohl man ihm die Autorenschaft schon früh zurechnete. Erst
1937, also gut 20 Jahre nach seinem Tod, erschien das Buch in 7.
Auflage unter Hausmanns Namen.
Otto
Hausmanns Großvater Karl Friedrich Hausmann, war als
Handwerker von Hessen nach Elberfeld gezogen. Er wohnte in der Alten
Fuhr, einem Quartier eng gedrängter Fachwerkhäuser
auf der Südseite der Wupper, das etwa zwischen dem heutigen
Köbo-Haus und der Isländer Brücke stand.
Hier heiratete Karl Hausmann 1804 die ebenfalls in der Alten Fuhr
wohnende Maria Wilhelmina Maas, Tochter eines Schreinermeisters. Das
Ehepaar wohnte noch lange in der Fuhr, wo auch ihre Kinder geboren
wurden.
Die Häuser der
Alten Fuhr, dahinter die 1875 eingeweihte Eisenbahndirektion.
1825/26 zog die
Familie in die Kasinostraße, wo Karl eine Kattundruckerei
gründete. Sein Enkel, der spätere Schriftsteller,
wurde hier 1837 geboren. Er verlor schon sehr früh seine
Mutter und wurde Halbwaise. Der kleine Junge wuchs nun bei seiner
Großmutter auf.
Otto
Hausmann hat in seiner Großmutter Wilhelmina offenbar das
Vorbild für seine "Mina Knallenfalls" gefunden und ihren
Rufnamen übernommen. Allerdings hat der Autor die
späteren Lebensverhältnisse in dem Quartier an der
Fuhr, wie sie dort erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts herrschten,
in seiner Dichtung verarbeitet.
Blick über die
Döppersberger Brücke auf die verschachtelten
Häuser der Alten Fuhr. Die dahinter stehenden höheren
Gebäude standen an der Bahnhofstraße.
Damals war die dicht
bewohnte Gegend zu einem überbelegten Elendsviertel mit
ungesunden Wohnbedingungen verkommen. Alljährlich wurden hier
manche Häuser vom Hochwasser der Wupper heimgesucht, deren
Flussbett nur teilweise in Mauern gebändigt war. 1890 wurde
das Problemgebiet mit etwa 50 Häusern abgerissen.
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